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Ara Wilson
Intimität.
Eine nützliche Kategorie transnationaler Analyse'
In jüngster Zeit haben feministische und queere Untersuchungen globaler Macht-
verhältnisse auf das Konzept Intimität, sowohl als Gegenstand wie als analy-
tische Kategorie, fokussiert. Dabei bringen sie Intimität mit Globalisierung oder
deren Vorläufern Kolonialismus und Imperialismus oder mit den Oberbegriffen
Modernisierung und kapitalistische Moderne zusammen.
Ich sehe drei Gründe für diese Verknüpfung von Globalem und Intimem.
Ein Grund ist, dass globale politisch-ökonomische Rahmenbedingungen tief-
greifende Auswirkungen auf menschliche Beziehungen haben, insbesondere
durch die Einführung weitgehender Trennungen und Grenzverschiebungen
zwischen Bereichen, die als öffentlich und privat betrachtet werden. Zweitens
ist, wie in feministischen und queeren Arbeiten betont wird, das Intime nicht
auf die Privatsphäre beschränkt, sondern spielt eine Rolle in den vermeintlich
unpersönlichen Sphären von Staat und Wirtschaft, die wiederum den Bereich
des Intimen regulieren. Der dritte Grund, warum Wissenschaftler_innen Inti-
mität und Globalisierung zusammen bringen, besteht in ihrer Unzufriedenheit
mit den herkömmlichen Begriffen zur Analyse der Beziehung zwischen diesen
- alternierend als Makro und Mikro, global und lokal oder öffentlich und privat
bezeichneten - Bereichen.
Dieser Aufsatz gibt einen Überblick zu Interpretationen des Intimen in der
globalen kapitalistischen Moderne. Im Zentrum stehen kritische Ansätze zur po-
litischen Ökonomie der Intimität — Konzepte, die zu verstehen versuchen, wie
sich Intimitäten im Zusammenhang mit sozialer Macht herausbilden. Entspre-
chend fokussiert der Aufsatz konkrete Beschreibungen, die herkömmliche Inter-
pretationen von >Globalisierung<, >Regierung<, >Kapitalismus< und >Intimität< neu
fassen. Die Fallbeispiele beinhalten einzelne Länder (USA, Thailand, Australien)
und Untersuchungen transnationaler, Ländergrenzen kreuzender Prozesse.
Mit dem Konzept der Intimität werden grundlegende Gefühlsorientierungen
und tief verwurzelte Praktiken erfasst, die das ausmachen, was Menschen für ihr
persönliches oder privates Leben und ihr inneres Selbst halten; das Konzept schließt
positiv bewertete Gefühle wie Zuneigung, aber auch problematische Gefühle
wie Angst oder Ekel ein. In den Arbeiten, mit denen ich mich hier befasse, wird
' Auf Engüsch erschienen unter dem Titel »Intimacy. A useful category of transnational analysis«
in: Pratt, Géraldine / Rosner,Victoria (Hrsg.) (2012): The Global and the Intimate: Feminism in
Our Time. New York, S. 31-56. — Die hier vorgelegte Übersetzung entspricht einer gekürzten
Fassung des Originals. Kürzungen sind durch eckige Klammern [...] kenntlich gemacht.
Feministische Studien (© Lucius & Lucius, Stuttgart) 1/14