Bernd Rebstein & Bernt Schnettler Existenzielles Engagement? Fokussierte Ethnographie für feldforschende Familienväter 1. Grenzen des Feldengagements Gute Feldforschung braucht viel Zeit und Engage- ment. Oder genauer: ausreichend von beidem, um sich den Phänomenen des Feldes in der methodisch geforderten Weise so eingehend widmen zu kön- nen, dass man sie besser versteht. Einen Weg, wie dies praktisch zu erreichen ist, beschreibt Goffman 1974 während einer Podiumsdiskussion mit ande- ren Feldforschern. Er fordert: »Sie [müssen] Ihr eigenes Leben aufgeben, soweit es nur irgendwie geht. Entledigen Sie sich aller Ressourcen, abgese- hen vielleicht von ein paar Kriminalromanen oder dergleichen, die Ihnen über die schlimmsten De- pressionen hinweghelfen können […] Das gelingt am besten, wenn man nackt bis auf die Knochen ist und wenn man auf so wenig Ressourcen wie nur möglich zurückgreift« (Goffman 1996: 264). Tatsächlich ist Feldforschung, wie Goffman sie skizziert und wie sie von einigen Kollegen bis heu- te gefordert wird, für Familienväter (und -mütter)