Herz o Urban &Vogel 1998 Editorial Koronare Herzkrankheit als Entzª des GeffiBbetts? Ursache, Folge oder Irrtum? Bernhard Maisch 1 CAD as Inflammatory Disease of the Vascular Bed? Cause, Consequence of Misconception? Abstract: In this editorial the traditional risk factors are con- of "Herz" is devoted to the missing points in the classic risk trasted with more recent modifications of the response to factor concepts and revisits them as well as the infectious injury theory including the modified LDL-response to injury theory with Chlamydia pneumoniae, cytomegalovirus and and the immunological response to injury theories. This issue helicobacter pylori as well as the autoreactivity hypothesis. Key Words: Antibodies 9 Arteriosclerosis - Chlamydia 9 Coronary artery disease - Cytomegalovirus - Inflammation - Heat shock proteins Schlª Antik6rper - Arteriosklerose - Chlamydien 9 Entzª 9 Heat-shock-Proteine 9 Koronare Herzerkrankung. Zytomegalie Wer sich der Vergangenheit nicht erinnert, ist verdammt dazu, sie zu wiederholen. (George Santayana,1903-1952) 1882 gelang es Robert Koch unter Anwendung der nach ihm benannten Postulate nachzuweisen, daB sau- refeste St~ibchen, n~imlich Mycobacterium tuberculo- sis, die Ursache der Tuberkulose sind. Davor waren als Ursache der Schwindsucht Mangelernfihrung, unreine oder schlechte Luft angeschuldigt worden. Noch bis heute werden deshalb Tuberkulosekranke - eigentlich ungerechtfertigt - in H6hen- und Luftkurorten gegen die ,,Schwindsucht" behandelt. Noch vor wenigen Jahren wurde als Lehrbuchweisheit ex cathedra das Magengeschwª als eine multifaktori- elte Erkrankung angesehen, zu der unter anderem eine pathologische psychosomatische Konstellation (,,Dys- streg"), Nikotin, ungesunde Ern~ihrung und Hyperazi- ditat wesentlich beitrugen, die oft jahrelang mit teuren Antacida behandelt wurde oder deren chirurgische Therapie mit Magenresektion nach Billroth oder Vago- tomie die Operationskataloge fª Mit dem Nachweis, daB Helicobacter pylori in ª 90% die infekti0se Ursache der Magen- und Zw61ffingerdarmgeschwª ist, war pl6tzlich der Weg zur Eradikationstherapie einer frª chronischen Erkrankung geebnet. 1AbteilungInnere Medizin- Kardiologie,Zentrum innere Medizin der Philipps-Universit~it Marburg. Die Liste der Risikofaktoren fª das Ulcus duodeni erinnert nicht ron ungef~ihr an unsere gegenw~irtigen Vorstellungen zur multifaktoriellen Atiologie und Pathogenese der Arteriosklerose. Fª die koronare Herzkrankheit und den Herzinfarkt sind die heute anerkannten oder postulierten Risikofaktoren in Tabelle 1 dargestellt. Die Absicht, die dieses Heft der Zeitschrift ,,Herz" zum Thema ,,Koronare Herzkrankheit- eine Folge von Infektion und Entzª verfolgt, liegt allerdings nicht darin, das klassische Risikofaktorenkonzept zu ersetzen, sondern akzeptierte Risikofaktoren in einen m0glichen neuen Zusammenhang zu stellen und unse- re zum Teil vereinfachten klassischen Vorstellungen auf teilweise komplexere, aber durchaus einleuchtende neue pathophysiologische Grundlagen zu stellen. Denn selbstverstfindlich ist die Hypercholesterin~imie der heute am besten gesicherte und di 91 und medikament0s behandetbare Risikofaktor. Die Sen- kung des Cholesterins um jeweils einen Prozentpunkt vermag das Risko fª eine koronare Herzkrankheit um etwa 2% zu senken. Natª geh0ren Nikotinabusus, Adipositas, Diabetes mellitus und Hypertonie zu den offensichtlich therapeutisch gut angehbaren, akzep- tierten Faktoren in der Pathogenese der koronaren Herzkrankheit. Wir wissen, daB allein der Nikotinver- zicht das kardiovaskulfire Risiko um ca. 50% reduziert. Ebenso unbestritten ist der Wert einer Ÿ vit- Herz 1998;23:147-52 (Nr. 3) 147