Der Anaesthesist 6•2002 | 463 Zusammenfassung Fragestellung. Von Myles et al. wurde 1999 erstmalig ein „Quality of Recovery-Score“ (QoR-Score) zur Evaluation der postopera- tiven Phase und zur Erfassung der Patienten- zufriedenheit vorgestellt. Der Score besteht aus 9 Items mit je 3 Abstufungen und kann einen Testwert zwischen 0 (schlechtester Wert) und 18 (bester Wert) einnehmen. Er wurde nach definierten testpsychologischen Gesichtspunkten entwickelt und an großen Patientenpopulationen hinsichtlich seiner Reliabilität und Validität überprüft. Ziel der vorliegenden Untersuchung war es, erstma- lig eine Fassung des QoR-Fragebogens in deutscher Sprache an einem heterogenen chirurgischen Patientengut zu evaluieren. Methodik. Insgesamt 577 unselektierte Patienten beantworteten eine sprachlich modifizierte Version des QoR-Fragebogens. Rücklauf, Bearbeitungszeitpunkt und -dauer wurden erfasst. Eine schrittweise Regressi- onsanalyse identifizierte relevante Einfluss- faktoren auf den QoR-Score. Alle anderen Analysen erfolgten deskriptiv. Ergebnisse. Nach einer medianen Zeit von 9 h nach der Operation konnten 83% der Patienten den Fragebogen selbstständig ausfüllen; 75% davon benötigten dazu weni- ger als 2 min. Der QoR-Score betrug im Medi- an 15 Punkte (10./90. Perzentile: 11/18). Cronbach's α (=0,63) und der durchschnitt- liche Trennschärfeindex (=0,32) dienten als Maß für die Reliabilität des Tests.Als wesent- liche Einflussfaktoren auf den QoR-Score erwiesen sich: Zeitpunkt der Fragebogen- beantwortung, Invasivität der Operation, Geschlecht, Narkosedauer, Allgemeinanäs- thesie und Alter. Im Jahr 1999 wurde von einer australi- schen Arbeitsgruppe um Paul Myles ein Testverfahren vorgestellt, mit dem die Qualität der Erholung in der postoperati- ven Phase gemessen werden kann (Qual- ity of recovery score=QoR-score; [2]). Die- ser Fragebogen wurde anhand etablierter testpsychologischer Kriterien [1] ent- wickelt und an mehreren tausend Patien- ten evaluiert. Dabei wurden die Reliabili- tät und Validität des Verfahrens belegt. Insbesondere konnte wiederholt eine deutliche Korrelation mit einer anhand ei- ner visuellen Analogskala erhobenen Pa- tientenzufriedenheit nachgewiesen wer- den [3]. Damit stellt der QoR-Fragebogen bislang das einzige nach etablierten test- psychologischen Kriterien entwickelte und getestete Instrument zur Messung der Patientenzufriedenheit dar [1]. Der Fragebogen besteht lediglich aus 9 Fragen mit je 3 abgestuften Ant- wortmöglichkeiten (s. Anhang). Der Testwert kann sich somit zwischen 0 (schlechtester Testwert) und 18 (bester Testwert) bewegen. Damit können zwangsläufig nicht alle postoperativen Symptome abgefragt werden, die Patien- ten in der postoperativen Phase belasten (z. B. Halsschmerzen). Andererseits ist der Test vergleichsweise einfach zu be- antworten. Eine ausführlichere Version des QoR-Fragebogens mit insgesamt 40 Fragen, die eine breitere Palette post- operativer Komplikationen beinhaltet, wurde kürzlich vorgestellt [4]. Ziel dieser Untersuchung war es, die Praktikabilität einer deutschen Überset- zung des QoR-Fragebogens an einem heterogenen, unselektierten chirurgi- schen Patientengut zu evaluieren. Methodik Die Befragung war von der zuständigen Ethikkommission genehmigt worden. Sie wurde an einer Universitätsklinik der Maximalversorgung (n=87 Patien- ten) und einem kommunalen Kranken- haus der Grund- und Regelversorgung (n=490 Patienten) durchgeführt. Aus- schlusskriterien waren eine vorbeste- hende stark eingeschränkte geistige Lei- stungsfähigkeit und fehlende deutsche Sprachkenntnisse. Die Patienten waren gehalten, den Fragebogen auszufüllen, Kurze wissenschaftliche Mitteilung Anaesthesist 2002 · 51:463–466 DOI 10.1007/s00101-002-0322-9 L. H. J. Eberhart · S. Greiner · G. Geldner · H. Wulf Universitätsklinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie,Philipps-Universität Marburg Patientenbeurteilung der postoperativen Erholung Eine Validierung des QoR-Scores an 577 Patienten © Springer-Verlag 2002 Dr. Leopold Eberhart Universitätsklinik für Anästhesiologie, Philipps-Universität Marburg, Baldingerstraße 1, 35033 Marburg, E-Mail: eberhart@mailer.uni-marburg.de Redaktion R. Larsen, Homburg/Saar Schlussfolgerungen. Die deutsche Über- setzung des QoR-Scores kann in einem hete- rogenen chirurgischen Patientenkollektiv von einem großen Teil der befragten Patien- ten problemlos und zügig bearbeitet werden und eignet sich daher zur Qualitätssicherung in der Anästhesie und zur Ermittlung der Patientenzufriedenheit. Schlüsselwörter Patientenzufriedenheit · Umfrage · Patientenfragebogen · Postoperative Phase · Qualitätssicherung