Redaktion
M. Fischer, Göttingen
C.K. Lackner, Rottach-Egern
W. Schreiber, Wien
Notfall Rettungsmed 2011 · 14:655–661
DOI 10.1007/s10049-010-1383-y
Online publiziert: 21. November 2010
© Springer-Verlag 2010
T.J. Luger
1
· C. Schneider
2
· M.F. Luger
2, 3
· C. Pechlaner
4
· R. Attal
5
· R. Larndorfer
5
·
W.G. Voelckel
6
· M. Baubin
1
1
Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin, Medizinische Universität Innsbruck
2
Österreichisches Rotes Kreuz, Freiwillige Rettung Innsbruck
3
Klinik für Anästhesie und Intensivtherapie, Thüringen – Kliniken, Standort Saalfeld,
Saalfeld/Saale
4
Klinik für Innere Medizin I, Medizinische Universität Innsbruck
5
Klinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie, Medizinische Universität Innsbruck
6
Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Unfallkrankenhaus der AUVA, Salzburg
Prähospitale Patienten-
versorgung bei der EURO 2008
Eignen sich frühere Großambulanzen
als Indikatoren für die Einsatzplanung?
Originalien
Die Fußball-Europameisterschaft (EM,
EURO 08) ist nach der Sommerolym-
piade und der Fußball-Weltmeister-
schaft (WM) das drittgrößte internatio-
nale Sportereignis der Neuzeit und durch
Massenansammlungen von Menschen ge-
kennzeichnet. Für die medizinische Ver-
sorgung der Sportler und Besucher wird
von der durchführenden Rettungsorgani-
sation ein hohes Maß an Planung und Re-
alisierung des Einsatzes vor Ort verlangt
[1, 4, 5, 6, 7, 8, 9].
Die Qualität der notfallmedizinischen
Versorgung korreliert direkt mit der Vor-
haltung entsprechender Ressourcen und
damit auch mit dem notwendigen Bud-
get [4, 9]. Neben der mittels Maurerfor-
mel berechneten Vorhaltung für die Be-
sucher mussten spezielle Anforderungen
der Union of European Football Asso-
ciations (UEFA) für die Sportlerversor-
gungen und Vorgaben des Landes und
des Bundes für die Großunfall/Katastro-
phen (GUF/KAT)-Bewältigung berück-
sichtigt werden [15, 21]. Es ist nun von In-
teresse, zu überprüfen, ob vergleichbare
frühere Großereignisse an den Veranstal-
tungsorten der EURO 08 in Innsbruck als
Indikatoren für die Abschätzung des Pa-
tientenaufkommens herangezogen wer-
den können.
In dieser von der Ethikkommission
der Medizinischen Universität Innsbruck
(UN3281; 19.06.2008) genehmigten, desk-
riptiven Beobachtungsstudie werden die
Daten der prähospitalen medizinischen
Einsatzzahlen vor Ort während der Fuß-
balleuropameisterschaft 2008 in Inns-
bruck mit früheren Großambulanzen an
den gleichen Lokalitäten verglichen.
Methode und Patienten
Die Fußballeuropameister-
schaft 2008 in Innsbruck
Innsbruck und einige Umlandgemeinden
(etwa 150.000 Einwohner) werden im
Rettungs- und Krankentransportdienst
(kombiniertes System) von 565 Mitarbei-
tern/innen (darunter 482 ehrenamtliche
Mitarbeiter) des Roten Kreuzes, Bezirks-
stelle Innsbruck, versorgt. Im Jahr 2008
wurden zusätzlich zur EURO 08 zusätz-
lich 61.878 Rettungs- und Krankentrans-
porte durchgeführt und 297 Veranstal-
tungen sanitätsdienstlich betreut (darun-
ter 27 Großveranstaltungen). Als Groß-
ambulanz wird in Innsbruck die sanitäts-
dienstliche Betreuung von Großveran-
staltungen bezeichnet, bei der mindes-
tens 10 Einsatzkräfte des Rettungsdiens-
tes und somit auch ein Einsatzleiter vor
Ort eingesetzt werden.
Die EURO 08 fand vom 06.–29. Ju-
ni 2008 in der Schweiz und Österreich
statt, wobei am Veranstaltungsort Inns-
bruck am 10., 14. und 18. Juni 2008 drei
Spiele der Nationen Russland, Schweden
und Spanien stattfanden. Der präklinische
medizinische Einsatz oblag dem Roten
Kreuz (Auftrag durch die UEFA, die Host
City Innsbruck und das Land Tirol). Die
vertraglichen und behördlichen Auflagen
beinhalteten die notfallmedizinische Ver-
sorgung (inkl. Abtransporten) aller Sport-
ler und Zuschauer (zusammen 465.000)
bei allen Spielen und Veranstaltungen
im EM-Stadion Tivoli und den diversen
Fanbereichen (Fanmeile in der Innsbru-
cker Innenstadt, Fanzone im Berg Isel Sta-
dion und Fancamp auf dem Messegelän-
de). Für die GUF/KAT-Vorsorge wurde
vertraglich die physische Bereitstellung
von Personal und Ressourcen (fix aufge-
baute stationäre Sanitätshilfsstelle in Sta-
dionnähe und eine mobile Sanitätshilfs-
stelle im Raum Innsbruck im Vollausbau)
an den Spieltagen festgelegt. Eine beson-
dere Herausforderung in der Planung war
die Dauer der Veranstaltung über mehre-
re Woche und die tägliche parallele Be-
treuung mehrerer Großveranstaltungen
655 Notfall + Rettungsmedizin 8 · 2011
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