Rubrikherausgeber
K. Werdan, Halle (Saale)
Internist 2010 · 51:522–527
DOI 10.1007/s00108-009-2543-3
Online publiziert: 27. Februar 2010
© Springer-Verlag 2010
I. Mederacke · K. Wursthorn · H. Ho · M.P. Manns · H. Wedemeyer
Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie,
Medizinische Hochschule Hannover
Interferon-α-induzierte Reaktivie-
rung einer Sarkoidose bei einer
Patientin mit chronischer Hepatitis C
Kasuistiken
Patientenbericht
Anamnese
Die Erstvorstellung der 59-jährigen Pati-
entin erfolgte im Juli 2007 mit der Frage
nach einer möglichen Durchführung ei-
ner antiviralen Therapie bei vorliegender
Hepatitis C. Die Diagnose einer chro-
nischen Hepatitis-C-Virusinfektion war
1996 gestellt worden, als wahrscheinlicher
Akquisitionsmodus kam am ehesten eine
Bluttransfusion bei einer Sectio caesarea
1981 in Frage. Eine antivirale Therapie war
bislang nicht durchgeführt worden.
Anamnestisch berichtete die Patientin
über eine Sarkoidose im Jahre 1983. Bei
persistierendem Husten, Nachtschweiß,
Fieber, Gelenkbeschwerden sowie bihi-
lärer Adenopathie in der Röntgenthorax-
übersichtsaufnahme sei damals die Di-
agnose gestellt worden. Nach einer The-
rapie mit Steroiden über eine Woche sei
es zur klinischen Remission gekommen.
Wenige Monate später sei bei einem Rezi-
div nochmals eine Therapie mit Steroiden
durchgeführt worden. In der Folge sei die
Patientin bis zum Zeitpunkt der Vorstel-
lung klinisch beschwerdefrei gewesen. Die
weitere Anamnese ergab eine Appendek-
tomie 1972, eine unkomplizierte Sectio
caesarea 1975, eine Hysterektomie 1990
sowie eine Cholezystektomie 1993.
Klinischer Untersuchungsbefund
Die klinische Untersuchung ergab ei-
nen unauffälligen körperlichen Untersu-
chungsbefund ohne Leberhautzeichen. Es
bestanden keine klinischen Hinweise auf
eine Sarkoidose. Das Gewicht vor Thera-
piebeginn betrug 70,5 kg, bei einer Kör-
pergröße von 162 cm.
Diagnostik
Labor
Hämatologisch fiel als mögliches Zeichen
einer fortgeschrittenen Lebererkrankung
bereits eine leichte Thrombopenie mit
139.000/µl (Normwert: 150.000–450.000)
auf. Laborchemisch zeigte sich eine Erhö-
hung der Transaminasen GPT 109 U/l (bis
34) und GOT 83 U/l (bis 31) sowie eine
leichte Erhöhung der Cholestaseparame-
ter alkalische Phosphatase auf 136 U/l (35–
104) und γ-GT auf 39 U/l (bis 38). Quick-
Wert, Cholinesterase und Bilirubin waren
normwertig, das Albumin grenzwertig er-
niedrigt mit 34 g/l (35–52 g/l).
Die Hepatitisdiagnostik ergab eine
hochreplikative Hepatitis-C-Virusinfek-
tion vom Genotyp 1b. Die Autoantikör-
perdiagnostik (ANA, AMA, LKM, SLA,
SMA, ANCA) war unauffällig.
Leberhistologie
Zum Staging und Grading der Leberer-
krankung wurde eine Leberblindpunkti-
on durchgeführt. Diese zeigte eine inkom-
plette Leberzirrhose mit leichter entzünd-
licher Aktivität (ISHAK-Score: A1, B0, C1,
D2, F5, S2). Damit bestand gemäß der ak-
tuellen Therapieempfehlungen zur Hepa-
titis C eine dringliche Indikation zur anti-
viralen Kombinationstherapie, bestehend
aus pegyliertem Interferon α
2a/b
und Riba-
virin [10].
Pneumologische Untersuchung
Zur Statuserhebung bei anamnestischer
Sarkoidose erfolgte vor Beginn der an-
tiviralen Therapie eine pneumologische
Vorstellung, die keinen Anhalt für eine
obstruktive oder restriktive Ventilations-
störung ergab. Klinisch zeigten sich kei-
ne Hinweise auf das Vorliegen einer pul-
monalen Hypertonie. Eine Übersichtsauf-
nahme des Thorax war ebenfalls unauffäl-
lig (. Abb. 1a). Die Bestimmung des lös-
lichen Serum-Interleukin-2-Rezeptors (S-
sIL-2-R) ergab einen nur leicht erhöhten
Wert von 890 kU/l (Normwert: 223–710).
Diagnose 1
F Chronische Hepatitis C
Therapie und Verlauf
Therapiestart
Zunächst wurde eine antivirale Kombi-
nationstherapie mit 180 µg pegyliertem
Interferon α
2a
wöchentlich sowie 1000 mg
Ribavirin täglich begonnen. Bei einer Aus-
gangsviruslast von über 4 Mio. IU/ml kam
es zur 8. Therapiewoche zu einem Abfall
der HCV-RNA unterhalb der Nachweis-
grenze (<43 IU/ml). Ab der 12. Thera-
piewoche konnte keine HCV-RNA mehr
nachgewiesen werden, womit eine Ge-
samttherapiedauer von 48. Wochen indi-
ziert war [10].
Ab der 4. Therapiewoche entwickelte sich
ein persistierender Reizhusten, welcher
auf die Ribavirineinnahme zurückgeführt
wurde. Ein in der 17. Therapiewoche ange-
fertigtes Röntgenbild des Thorax war un-
auffällig (. Abb. 1b).
Reaktivierung der Sarkoidose
Beginnend in der 32. Therapiewoche,
klagte die Patientin über abendliche Fie-
berschübe bis knapp 39°C, Nachtschweiß
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Der Internist 4 · 2010