Photogrammetrie, Laserscanning, Optische 3D-Messtechnik - Beiträge der Oldenburger 3D-Tage 2010, Th. Luhmann/Ch. Müller (Hrsg.), Wichmann, VDE Verlag GmbH, Berlin und Offenbach, pp. 50-57. Virtuelle Rekonstruktion des Almaqah-Tempels von Yeha in Äthiopien mit Hilfe terrestrischer Laserscanning-Daten Maren LINDSTAEDT 1 , Klaus MECHELKE 2 , Mike SCHNELLE 3 & Thomas KERSTEN 1 1 HafenCity Universität Hamburg, Labor für Photogrammetrie & Laserscanning 2 HafenCity Universität Hamburg, Geodätisches Labor, Hebebrandstr. 1, 22297 Hamburg, 3 Deutsches Archäologisches Institut, Außenstelle Sana’a der Orient-Abteilung, Baufor- schung, Podbielskiallee 69-71, 14195 Berlin Zusammenfassung Im Herbst 2009 wurde in Zusammenarbeit zwischen dem Deutschem Archäologischen Institut (Außenstelle Sana’a der Orientabteilung) und der HafenCity Universität Hamburg der Almaqah-Tempel von Yeha in Äthiopien durch terrestrisches Laserscanning und digita- le Photogrammetrie erfasst. Der Tempel stammt aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. und zählt zu den am besten erhaltenen Bauwerken sabäischer Architektur in Afrika. Für aktuelle und künftige Messaufgaben vor Ort wurde ein geodätisches Netz angelegt und mittels GPS- Punktbestimmung in das UTM-Koordinatensystem eingebunden. Die erfassten 3D-Daten bilden die Grundlage für alle zukünftigen Arbeiten am Tempel. So wurde aus den Punkt- wolken ein virtuelles 3D-Modell des Tempels erstellt, aus dem u.a. bauliche Deformationen der Fassaden für geplante Restaurierungsarbeiten abgeleitet werden konnten. Mit Hilfe der Punktwolke und bauforschungstechnischen Untersuchungsergebnissen wurde das heute nicht mehr vorhandene Propylon (Torbau) virtuell rekonstruiert. Zusätzlich stehen die Da- ten für die Einbindung in den Masterplan zur touristischen Erschließung der Region Tigray um Yeha und Axum zur Verfügung. 1 Einleitung Das terrestrische Laserscanning hat sich heute auf vielen archäologischen Fundstätten als eine effiziente Technik zur Dokumentation von Forschungsobjekten und Grabungsabschnit- ten etabliert. Durch die Eigenschaft, eine extrem hohe Anzahl von Punkten sehr schnell zu erfassen, werden Laserscanner heute oftmals dem Tachymeter vorgezogen. Die Grabungs- arbeiten müssen für die Aufnahme durch terrestrisches Laserscanning nicht lange unterbro- chen werden, der jeweilige Grabungszustand lässt sich jedoch sehr detailliert im Rechner abbilden und später analysieren. Je nach Wunsch wird nur die Punktwolke für archäologi- sche Analysen verwendet, oder aber es wird ein komplettes 3D-Modell des Objektes er- stellt. Auch wenn keine Grabungsarbeiten durchgeführt werden, so ist heute zunehmend der Ein- satz gleich mehrerer Sensoren für die Dokumentation historischer Stätten zu beobachten, so nutzen z.B. REMONDINO et al. (2009) nicht nur einen Laserscanner und terrestrische photo- grammetrische Aufnahmen, sondern auch noch von einem Unmanned Autonomous Vehicle (UAV) aus der Luft aus aufgenommene Bilder für die Dokumentation der ehemaligen Maya-Stadt Copán. Für die Aufnahme des Erechtheion in Athen haben EL-HAKIM et al.