62 »… damit die Fremden auf einmahl den großen Bergsegen übersehen können, womit Gott unser Sachsenland, an so vielen und mancherley Silbererzen sehr reichlich begnadigt hat.« (Eilenburg 1755) Als Christian Heinrich Eilenburg (1709 – 1771) diese Zeilen verfasste, konnte man am Dresdener Hof bereits auf eine 195-jährige Sammeltradition verweisen. Die Dresdener kurfürstliche Kunstkammer wurde im Jahr 1560 gegründet. Aus ihr gingen letztlich alle noch heute existierenden staatlichen Museen in Dresden, wie die Staatlichen Kunst- sammlungen, die Staatlichen Ethnografischen Sammlungen sowie die Senckenberg Na- turhistorischen Sammlungen, hervor. Im deutschsprachigen Raum ist nur die Kunstkam- mer am Wiener Hof, eingerichtet 1552, geringfügig älter. Initiator der Dresdener kurfürstlichen Kunstkammer war August, Kurfürst von Sachsen (1526 – 1586). Im ersten Inventar, welches David Ußlaub 1587 nach dem Tode Augusts er- stellte, werden 43 Proben in- und ausländischer Minerale und Gesteine aufgeführt. 1 Ein herausragendes Objekt ist die von Kaiser Rudolph II. (1552 – 1612) dem sächsischen Kur- fürsten geschenkte kolumbianische Smaragdstufe, die heute als besonderes Schmuck- stück Dinglingers Mohren im Grünen Gewölbe ziert. Eine Kollektion ausgewählter säch- sischer Gesteine, welche kurz vorher von Giovanni Maria Nosseni (1544 – 1620) zusam- mengestellt und eingeliefert worden war, bezeugt eine wissenschaftliche Bearbeitung, wie sie in jener Zeit einzigartig gewesen sein dürfte (Abb. 1). Der aus Italien stammende Nosseni diente ab 1575 als Bildhauer am Dresdener Hof. Er prospektierte im Kurfürsten- tum nach nutzbaren Gesteinen und Mineralen (Abb. 2). In diesem Zusammenhang schuf er die Suite nutzbarer sächsischer Gesteine. Damit steht die Nossenische Sammlung am Jan-Michael Lange, Martin Kaden Über 450 Jahre geowissenschaftliches Sammeln und Forschen in Dresden Von der kurfürstlichen Kunstkammer zum modernen Forschungsmuseum Abb. 1 Giovanni Maria Nosseni (1544 – 1620), Alabasterrelief mit Darstellung von Nosseni, Epitaph aus der Sophienkirche Dresden, vermutlich von Sebastian Walther, 1616 Abb. 2 Herkunft und Petrografie der Nossenischen Gesteins- und Mineralproben in der Kunstkammer