Tumorgewebe ist im Vergleich zu
Normalgewebe aufgrund seiner
schlechteren Thermoregulation we-
sentlich temperaturempfindlicher.
Die Nachteile der bisher für die loka-
le oder regionale Hyperthermieappli-
kation verwandten externen Metho-
den wie Radiofrequenzmikrowellen
oder Ultraschalltechniken können mit
der magnetisch induzierten intersti-
tiellen Hyperthermie umgangen wer-
den. Erste Phase-I-Studien mit dieser
Methode bei verschiedenen Tumor-
entitäten zeigen viel versprechende
Ergebnisse, jedoch auch Optimie-
rungsbedarf.
Grundlagen der Hyperthermie
Der zytotoxische Effekt der Hyperther-
mie wurde bereits 1979 von Raaphorst et
al. [14] nachgewiesen.
Die Summe des Zelltods ist bei diesem
Therapieansatz abhängig von der appli-
zierten Thermodosis, also von der Tem-
peratur im Zielvolumen, und der Expo-
sitionszeit [3]. Bei Temperaturen von 40–
42°C ist bei sequenzieller Anwendung ei-
ner Strahlentherapie ein sensibilisierender
Effekt zu beobachten. Als Grund für die
Verbesserung der Strahlenwirkung wird
eine Aufhebung der Gewebeazidose (Re-
oxygenierung) durch erhöhte Perfusi-
on angenommen [15]. Dieser Effekt der
Hyperthermie wird bereits in multimo-
dalen Behandlungsansätzen klinisch ge-
nutzt [17].
>
Tumorgewebe weist
gegenüber Normalgewebe
eine schlechtere
Thermoregulation auf
Temperaturen >42°C haben bei längerer
Exposition einen direkten zytotoxischen
Effekt [3]. Eine Erhöhung der Tempera-
tur um 1°C führt bei gleicher Expositi-
onsdauer zu einer doppelt so hohen Ef-
fektivität der Hyperthermie [ 16]. Bei Tem-
peraturen >46°C spricht man von Ther-
moablation. Die meisten normalen Gewe-
be können Temperaturen von bis zu 43°C
über 1 h noch tolerieren, wohingegen Tu-
morgewebe bereits geschädigt wird. Ein
wichtiger Grund dafür ist die schlechtere
Thermoregulation im Tumorgewebe, be-
dingt durch ungeordnete Bildung patho-
logischer, fragiler Gefäße und damit ein-
hergehender Gewebehypoxie und Azido-
se [3, 16].
Bisher gebräuchliche Methoden für
eine lokale oder regionale Hyperther-
mie basieren häufig auf der Verwendung
von externen Strahlern (Radiofrequenzmi-
krowellen oder Ultraschalltechniken) [1,
2]. Nachteil dieser Verfahren ist häufig ei-
ne inhomogene Erwärmung im Zielvolu-
men. Bei der E-Feld-Hyperthermie wird
das elektrische Feld an Grenzflächen im
Gewebe teilweise gestreut oder reflek-
tiert sowie mit steigender Eindringtiefe
absorbiert. Die Steuerbarkeit elektroma-
Onkologe 2007 · 13:894–902
DOI 10.1007/s00761-007-1263-3
Online publiziert: 26. September 2007
© Springer Medizin Verlag 2007
A. Jordan
1
· K. Maier-Hauff
2
· P. Wust
3
· B. Rau
4
· M. Johannsen
5
1
MagForce Nanotechnologies AG, Berlin
2
Bundeswehrkrankenhaus Berlin
3
Klinik für Strahlentherapie, Charité-Universitätsmedizin Berlin,
Campus Virchow-Klinikum
4
Klinik für Chirurgie und Chirurgische Onkologie,
Charité-Universitätsmedizin Berlin, Campus Berlin-Buch
5
Klinik für Urologie, Charité-Universitätsmedizin Berlin, Charité Campus Mitte
Thermotherapie
mit magnetischen
Nanopartikeln
Leitthema
Abb. 1 7 Magnet-
wechselfeldapplika-
tor MFH®300F für die
Thermotherapie mit
magnetischen Nano-
partikeln
894
|
Der Onkologe 10 · 2007