DOI: 10.1002/bewi.201201546 Andreas kerlund Die Lektorate für schwedische Sprache in Deutschland im Kontext der auswärtigen Kulturpolitik 1917–1930* Summary: The Lectureships for Swedish in Germany in the Context of Cultural Diplomacy 1917–1930. During the Weimar Republic a significant number of lec- tureships for Swedish was established at German universities. This paper attempts to explain this development through an analysis of the political and academic con- text of these establishments. Focussing on the actors involved the lectureships are linked to the emerging interest of the German state for public diplomacy emerging after World War I and the following reactions of German academia. The paper also treats the importance of the main Swedish actor, namely the association for the pre- servance of Swedishness abroad for the establishments of the lectureships. At the end the different actors working for Swedish lectureships in Germany are placed in a broader European context and questions concerning the relationship between uni- versities and cultural diplomacy are raised and answered. Keywords: lecturers, Swedish language, cultural diplomacy, foreign studies, academic exchange, Schlüsselwörter: Lektoren, schwedische Sprache, auswärtige Kulturpolitik, Aus- landswissenschaften, akademischer Austausch, Einleitung In der Zeit zwischen 1917 und 1930 wurden neun Lektorate für schwedische Sprache an verschiedenen deutschen Universitäten eingerichtet. Dies kann damit verglichen werden, dass es vor dem Ersten Weltkrieg kein einziges Lektorat für Schwedisch in Deutschland gab, sondern nur zwei für skandinavische Sprachen. Zwei der nach 1917 eingerichteten Dozenturen waren Umbildungen der alten Skandinavischlekto- rate, sieben waren aber Neueinrichtungen. Dieses Wachstum ist nicht mit einer großen Veränderung des deutschen wissen- schaftlichen Interesses für Schweden zu erklären. Es gab zwar im Rahmen der deut- schen Germanistik ein lebhaftes Interesse für altnordische Sprache und Kultur. Dies alleine kann aber nicht diesen raschen Anstieg von Stellen für Unterricht in der mo- dernen schwedischen Sprache erklären. Ihre Etablierung ist umso erstaunlicher, wenn man sich die Zeit, das heißt die von ökonomischen Krisen geprägte Weimarer Republik, vor Augen führt. Die Etablierungen sind stattdessen auf politische Fakto- 25 Ber. Wissenschaftsgesch. 35 (2012) 25–41 www.bwg.wiley-vch.de i 2012 WILEY-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Weinheim * Der Artikel baut im Wesentlichen auf die Kapitel zwei und drei meiner auf Schwedisch verfass- ten Dissertation Mellan akademi och kulturpolitik. Lektorat i svenska språket vid tyska universi- tet 1906–1945, Uppsala: Uppsala Universitet 2010 auf. Für die sprachliche Korrektur bedanke ich mich herzlich bei Dr. Petra Thore, Uppsala.