Geo.Alp, Vol. 9, S. 110–118, 2012 KUPFERSCHLACKENGEMAGERTE KERAMIK VON EINEM SPäTBRONZEZEITLICHEN GRäBERFELD BEI ST. LEONHARD/KUNDL (TIROL, ÖSTERREICH) Matthias Krismer 1 , Florian Hipp 1 , Markus Staudt 2 , Gert Goldenberg 2 und Peter Tropper 1 Mit 6 Abbildungen 110 Zusammenfassung Im Jahr 2010 konnten auf einem Acker bei St. Leonhard in der Gmeinde Kundl mehrere bronzene Buntme- tallfragmente sowie einige Keramikbruchstücke aus der Späten Bronzezeit aufgelesen werden. Da manche der geborgenen Gegenstände partiell Spuren intensiver Feuereinwirkung aufwiesen und die Funde reichlich zu Tage kamen, lag die Interpretation nahe, diesen Fundplatz als Brandgräberfeld anzusprechen. Das durch Umpflügen an die Oberfläche beförderte Beigabeninventar besteht vor allem aus Trachtbestandteilen, darunter Gürtelhaken, Armreifen, Kugelkopfnadeln und Messern. Aufgrund einer grünlichen Verfärbung auf einem der Keramikfragmente, die bereits makroskopisch sichtbar war, wurde eine Magerung mit Schlackensand, der sich bei der nassmechanischen Aufbereitung von Kupferschlacke bei Schmelzplätzen als Abfallprodukt ansammelt, in Betracht gezogen. Schlackensand findet sich auch reichlich beim nur zwei Kilometer südwestlich der Ne- kropole, im Maukenwald liegenden, spätbronzezeitlichen Verhüttungsplatz „Mauk E“. Die schlackengemagerte Keramik aus dem Gräberfeld bei St. Leonhard legt nahe, dass zumindest einige der bestatteten Personen in unmittelbarer Verbindung mit metallurgischen Tätigkeiten in der näheren Umgebung standen. Mineralogische Untersuchungen bestätigten die Anwesenheit von Schlackensand als Magerungskompo- nente der Keramiken. Zusätzlich wurden einzelne Gesteins- bzw. Glimmerschieferbruchstücke als Magerungs- komponente identifiziert. Diese polykristallinen Magerungskomponenten haben Korngrößen zwischen Hundert und mehreren Tausend Mikrometern. Die feinere Fraktion an Magerungsbruchstücken besteht vorwiegend aus Quarzkristallen. In geringerem Umfang treten Plagioklas, Kalifeldspat, Granat, Chlorit, Muskovit, Spinell, Zirkon, Monazit, Titanit und Illmenit auf. Die chemische und mineralogische Zusammensetzung der Schlackenbruch- stücke entspricht jener von Schlacken des Schmelzplatzes Mauk A und ist konsistent mit den lokalen, fahlerz- dominierten Erzen des Maukengrabens. Die Typologie der bronzenen Grabbeigaben zeigt ein isochrones Bestehen des Schmelzplatzes Mauk A im Oberen Maukengraben und der Nekropole bei St. Leonhard auf. Die mineralogisch-petrologischen Untersu- chungen belegen eine Beziehung zwischen der Bevölkerung aus dem Bergbaurevier Schwaz-Brixlegg und eini- gen der Bestatteten aus dem nahe gelegenen Gräberfeld im Inntal. 1 Institut für Mineralogie und Petrographie, Universität Innsbruck, Innrain 52f, A-6020 Innsbruck, Austria 2 Institut für Archäologien, Universität Innsbruck, Langer Weg 11, A-6020 Innsbruck, Austria