1 3 TagungsberichT empirische erkenntnisse bei der Diagnostik, begutach- tung und behandlung forensisch relevanter störungen sind von großer wissenschaftlicher und zunehmend auch prak- tischer bedeutung. Ätiopathogenese, Diagnosekonzepte, behandlungsansätze und deren evaluation basieren ebenso wie forensisch besonders relevante Prognosebeurteilun- gen auf überprüfbaren erkenntnissen, die im juristischen Kontext auf ihre aussagekraft bei der erforderlichen ein- zelfallbeurteilung überprüft werden. Die Präsentation und Diskussion empirischer ergebnisse zu Diagnose-, behand- lungs- und Prognoseansätzen in der forensischen Psych- iatrie von nachwuchsforschern war daher das Ziel einer Tagung vom 15. bis 16.09.2011 in göttingen. sie wurde von der schwerpunktprofessur für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie der universität göttingen in Verbin- dung mit der asklepios Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie ausgerichtet. Die Veranstaltung ist der auftakt einer jährlichen Wandertagung, die im Wechsel von den universitäten göttingen, hamburg (institut für sexual- forschung und Forensische Psychiatrie, Prof. briken) und homburg (institut für gerichtliche Psychologie und Psych- iatrie, Prof. rösler) organisiert werden soll. Der göttinger Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. J.L. Müller kündigte an, dass der Ludwig-Meyer-Preis der asklepios Psychiatrie niedersach- sen gmbh, der eberhard-schorsch-Preis der Deutschen gesellschaft für sexualforschung und der hermann-Witter- Preis der südwestdeutschen akademie für Forensische Psy- chiatrie für die besten Leistungen an die höchstens 38 Jahre alten Wissenschaftler verliehen werden. Diese Preise soll- ten insbesondere für arbeiten vergeben werden, die einen inhaltlichen bezug zum namensgeber aufwiesen. auf die begrüßungen durch den Dekan der Medizinischen Fakultät der universität göttingen, Prof. Dr. c. Frömmel, und den geschäftsführer der asklepios Psychiatrie niedersachsen gmbh, J. betker, sowie die einführung in das Thema der Tagung durch Prof. Dr. J.L. Müller folgten die 16 Tagungs- beiträge der jungen referenten. Frau Dr. J.V. bittner aus bremen beleuchtete in ihrem Vortrag das risikoverhalten von straftätern. Zur Messung impliziter einstellungen als einlussfaktor auf das risiko- verhalten wurde ein impliziter assoziationstest (iaT) kons- truiert und validiert. in ihrem Fazit geht bittner davon aus, dass die Prognosequalität wesentlich verbessert werden kann, wenn impulsive Determinanten von Verhalten und implizite einstellungen, relektierte Determinanten von handlungen und explizite einstellungen sowie kritische situationen und rahmenbedingungen des Delinquenten erfasst werden. in der laufenden untersuchung von Frau Dr. h. eisen- barth aus regensburg geht es um blickbewegungen psy- chopathischer Maßregelvollzugspatienten beim betrachten emotionaler gesichtsausdrücke. Dazu wurden die augen- bewegungen der Teilnehmer bei der bearbeitung von zwei aufgaben aufgezeichnet. in der studie wird angenommen, dass sich hoch psychopathische Patienten des Maßregel- vollzugs von gering psychopathischen beim betrachten die- ser bilder unterscheiden. Frau Dr. eisenbarth stellte erste, diese Vermutung unterstützende ergebnisse vor. herr P. Fromberger aus göttingen stellte die Methode der blickregistrierung als Möglichkeit zur objektiven erfassung pädosexueller Präferenzen vor. Dies basierte auf Überlegun- gen, dass sich mittels der Messung von augenbewegungen automatische und kontrollierte aufmerksamkeitsprozesse Forens Psychiatr Psychol Kriminol (2012) 6:141–144 DOi 10.1007/s11757-012-0162-7 „Empirische Forschung in der forensischen Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie“ Sabine Pieh · Kirsten Jordan · Peter Fromberger · Georg Stolpmann · Nora Struszczynski · Jürgen L. Müller s. Pieh () · K. Jordan · P. Fromberger · g. stolpmann · n. struszczynski · J. L. Müller Ludwig-Meyer-institut für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie, rosdorfer Weg 70, 37081 göttingen, Deutschland, e-Mail: s.pieh@asklepios.com Online publiziert: 6. März 2012 © springer-Verlag 2012