Berg- und
Hüttenmännische
Monatshefte
Originalarbeit
BHM (2010) Vol. 155(7): 307 – 312
DOI 10.1007/ s00501-010-0581-8
Printed in Austria
© Springer-Verlag 2010
Erhöhte Materialeffizienz und zusätzli- Zusammenfassung:
che Funktionsanforderungen verlangen angepasste Ent-
wicklungs- und Fertigungsmethoden. Ausgehend von der
numerischen Gestalt- und Topologieoptimierung mittels
FEM können globale Lösungen gefunden werden. Zusätz-
lich existieren zahlreiche material- und fertigungstechni-
sche Möglichkeiten für lokal wirkende Verstärkungen. Gefü-
geänderungen durch Kaltverfestigung, das gezielte Ein-
bringen von Eigenspannungen, örtliche Härtung und deh-
nungsinduzierte Martensitbildung sind nur ein paar wirt-
schaftliche Technologien. An mehreren Beispielen wird der
Nutzen von walzprofilierten Trägern, „Tailored Tubes“ mit
variablen Wandstärken, korrugierten Rohren, lokalen Ver-
stärkungen durch Gefügemodifikationen und jener der
Werkstoffverbunde dargestellt.
Local Strengthening by Materials Processing to Increase
the Material Efficiency
Increased material efficiency and additional func- Abstract:
tional requirements need adaptation of development and
manufacturing methods. Based on numerical optimization
of shape and topology using finite element method, global
solutions can be found. In addition, there are manifold ma-
terial and processing dependent possibilities for locally act-
ing strengthening. Microstructural changes due to cold
forming, controlled introduction of residual stresses, local
hardening and strain induced martensite formation are
some economic technologies. Using some examples, the
benefits of roll formed beams, tailored tubes with varying
wall thickness in the cross-section as well as along the lon-
gitudinal direction, corrugated tubes, local strengthening
by microstructural modifications and the use of com-
pounds are illustrated.
1. Einleitung
Energie- und Materialeffizienz sind seit einigen Jahren sehr
bestimmende Anforderungen in der Produktionstechnik
und tragen zur Schonung der weltweiten Rohstoffressour-
cen bei. Der Begriff Materialeffizienz umfasst dabei sowohl
den Leichtbau als auch alle produktionsrelevanten Ein-
flüsse, wie Ausschussquote, Rezyklierbarkeit, optimale Ma-
terialausnutzung u. a. m. Für den Leichtbau sind die Konst-
ruktion, die Auslegung, die Werkstoffauswahl und die Aus-
wahl geeigneter Fertigungsverfahren von größter Bedeu-
tung zur Sicherstellung der Wirtschaftlichkeit
1, 2
. In
Deutschland wird jährlich ein Materialeffizienz-Preis für die
besten industriellen Lösungen auf diesem Gebiet verge-
ben, siehe
3
.
Primärer Schritt zur Materialeffizienz ist die kraftflussge-
rechte Werkstoffeinsparung durch die Methode der Gestalt-
und Topologieoptimierung, deren Ursprung im spannungs-
orientierten Wachstum der Natur liegt
4–7
.
Ausgehend von den Rahmenbedingungen, wie auftre-
tende Belastungen, den gegebenen Auflagerbedingungen
sowie von einem vorgegebenen Designraum werden itera-
tiv jene Volumina entfernt, die unter einem bestimmten
Spannungsniveau liegen. Damit ergeben sich optimierte
Geometrien, die oftmals von der wirtschaftlichen Herstell-
barkeit abweichen können. Erst durch eine Gestaltoptimie-
rung und durch geschickt gewählte Umsetzungsvarianten
können fertigungstechnische Aspekte berücksichtigt wer-
den. Als weitere Verfeinerung sind die zahlreichen, lokal an-
wendbaren Möglichkeiten zur Steigerung der Festigkeit
bzw. Erhöhung der Lebensdauer zu nennen. In dieser Ar-
beit werden insbesondere werkstoff- und fertigungstechni-
sche Möglichkeiten zur Erhöhung der Materialeffizienz dar-
gestellt.
2. Materialeffizienz und prinzipielle
Einsparungspotenziale
Betrachtet man den durchschnittlichen Materialkostenan-
teil in metallverarbeitenden Betrieben, so sind durchschnitt-
Korrespondenzautor:
Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr.mont. Bruno Buchmayr,
Lehrstuhl für Umformtechnik, Montanuniversität Leoben,
Franz-Josef-Straße 18, 8700 Leoben, Österreich
E-Mail: bruno.buchmayr@mu-leoben.at
Lokale fertigungstechnische Verstärkungskonzepte zur
Erhöhung der Materialeffizienz
Bruno Buchmayr, Gerald Figala und Lukas Wunsch
Lehrstuhl für Umformtechnik, Montanuniversität Leoben, Leoben, Österreich
Eingegangen am 28. Mai 2010, angenommen am 8. Juni 2010
Buchmayr et al. BHM, 155. Jg. (2010), Heft 7 307 © Springer-Verlag