110 Übersichtsarbeit DOI: 10.1111/j.1610-0387.2007.06176.x
JDDG |2
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2007 (Band 5) © The Authors • Journal compilation © Blackwell Verlag, Berlin • JDDG • 1610-0379/2007/0502-0110
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Schlüsselwörter
• Anabolika
• Anabol-androgene Steroide
• Bodybuilding-Akne
• Doping-Akne
• Gesundheitsgefährdung
Keywords
• Anabolics
• Anabolic-androgenic steroids
• Bodybuilding acne
• Doping acne
• Health risk
Zusammenfassung
Der Missbrauch anabol-androgener Steroide (AAS) bei Freizeitsportlern und
Besuchern von Fitness-Einrichtungen hat in Deutschland eine besorgniserregende
Dimension angenommen. Das Gesundheitssystem deckt dabei den Bedarf an
AAS von 48,1 % der Anwender. Illegale Verschreibung der Substanzen und
Monitoring dieser Personengruppe erfolgt in 32,1 % der Fälle durch Ärzte.
Neben den gefährlichen kardiovaskulären, hepatotoxischen und psychotropen
Langzeitnebenwirkungen stellt die Akne, die bei etwa der Hälfte der Anwender
auftritt oder exazerbiert, eine wichtige Indikatorerkrankung dar, insbesondere
bei jungen Männern in der Altersgruppe zwischen 18 und 26 Jahren. Eine Acne
conglobata oder sogar Acne fulminans kann durch AAS induziert werden.
Der Dermatologe sollte die Bodybuilding-Akne erkennen, den AAS-Abusus
ansprechen und den Patienten über die weiteren gesundheitsgefährdenden
Risiken des AAS-Abusus aufklären.
Summary
Abuse of anabolic-androgenic steroids (AAS) by members of fitness centers
and others in Germany have reached alarming dimensions. The health care
system provides the illegal AAS of 48.1 % of abusers. Physicians are involved in
illegal prescription of AAS and monitoring of 32.1 % of AAS abusers. Besides
health-threatening cardiovascular, hepatotoxic and psychiatric long-term side
effects of AAS, acne occurs in about 50 % of AAS abusers and is an important
clinical indicator of AAS abuse, especially in young men 18-26 years of age.
Both acne conglobata and acne fulminans can be induced by AAS abuse. The
dermatologist should recognize bodybuilding acne, address the AAS abuse,
and warn the patient about other potential hazards.
Anabolikamissbrauch und Bodybuilding-Akne:
eine unterschätzte gesundheitliche Gefährdung
Abuse of anabolic-androgenic steroids and bodybuilding acne:
an underestimated health problem
Bodo Melnik
1
, Thomas Jansen
2
, Stephan Grabbe
2
(1) Dermatologie, Umweltmedizin und Gesundheitswissenschaften, Fachbereich Humanwissenschaften, Universität
Osnabrück
(2) Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Universität Essen
JDDG; 2007
•
5:110–117 Eingereicht: 3.7.2006 | Angenommen: 6.9.2006
Einleitung
Sport hat sowohl ein gesundheitsför-
derndes als auch gesundheitsschädigendes
Potenzial. Verschiedene Dermatosen
können durch Sport verbessert oder auch
verschlechtert werden [1]. Die Einnahme
oder systemische Verabreichung von
Dopingsubstanzen, insbesondere von
anabol-androgenen Steroiden (AAS),
führt bei bis zu 50 % der Anwender zu
unerwünschten Hautveränderungen wie
Bodybuilding- oder Doping-Akne mit
verstärkter Seborrhö, Striae distensae,
Gynäkomastie, Hypertrichosis, Hirsutis-
mus, androgenetischer Alopezie, se-
borrhoischer Dermatitis, Hautinfekten
einschließlich Furunkulose sowie Ver-
minderung des Hodenvolumens und der
Spermienzahl (Tabelle 1) [2, 3]. Bei der
Doping-Akne erstreckt sich das Spektrum
der klinischen Erscheinungsformen von
der Erstmanifestation einer Akne oder
Exazerbation einer präexistenten Acne
vulgaris bis zum klinischen Bild einer
Acne conglobata oder dem plötzlichen
Auftreten einer Acne fulminans [4–9].
Ferner kann die Abheilung einer Akne
durch Anabolika verhindert werden. AAS-
Abusus wirkt sich negativ auf den Lipo-
proteinstoffwechsel aus. Die durch AAS
induzierte Senkung des HDL-Cholesterins
und Steigerung des LDL-Cholesterins
erhöhen das kardiovaskuläre Risiko.
Auch die Exazerbation anderer Hautkrank-
heiten wie einer hereditären Kopropor-
phyrie, linearer Keloide und Psoriasis