© The English Goethe Society 2010 DOI 10.1179/095936810X12722739359748 publications of the english goethe society, Vol. lxxix No. 1, 2010, 63–76 Verwandtschaft im Fremden: Bezüge zur französischen Literatur in den Werken von Ernst Jünger, Klaus Mann und Walter Benjamin Peter Schröder University College London, UK Dieser Aufsatz untersucht zentrale Aspekte der literarischen Kritik der Moderne in den Werken von Ernst Jünger, Klaus Mann und Walter Benja- min. Die Analyse der Übereinstimmungen im Werk dieser drei Autoren konzentriert sich auf ihre Rezeption und Interpretation der französischen Literatur. Der erste Teil geht auf die Gemeinsamkeiten zwischen Jünger und Benjamin ein, die sich hinsichtlich ihrer Aneignung der französischen Literatur feststellen lassen. Der zweite Teil konzentriert sich auf Klaus Mann und nimmt die Thematik von einer anderen Perspektive erneut auf: An der für Mann so wichtigen Auseinandersetzung mit André Gide werden die im ersten Teil allgemeiner aufgezeigten Aspekte konkretisiert. schlüsselbegriffe Ernst Jünger, Walter Benjamin, Klaus Mann, André Gide, Moderne Die Schriftsteller und Essayisten Ernst Jünger, Klaus Mann und Walter Benjamin wurden lange Zeit als höchst unterschiedlich und gegensätzlich charakterisiert und oft genug als Exponenten eines vermeintlich rechten beziehungsweise linken ideolo- gisch-politischen Lagers gewertet. Begreift man Jünger, Mann und Benjamin aber als Beobachter und Kritiker des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts, dann ist es kaum überraschend, dass sich durchaus vielfältige Übereinstimmungen * Dieser Aufsatz ist eine erste Annäherung an die Thematik — geplant ist zu einem späteren Zeitpunkt eine monographische Studie zum Thema. Danken möchte ich David Deissner und Jörg Theiss für ihre kritische Lektüre und verschiedenen Anregungen. Mit Claus Victor Bock, den ich Mitte der achtziger Jahre kennenlernte und der mir bald zum Freund und kritischen Mentor wurde, hatte ich vor einigen Jahren bereits über dieses Thema diskutiert. Claus wird im Gespräch und den Gedanken vieler seiner Freunde lebendig bleiben, und ich möchte hier meine Dankbarkeit für seine Freundschaft, seine stete Ermunterung und sein waches Interesse an meinem beruflichen und privaten Lebensweg noch einmal aussprechen. Den Verlust, den sein Tod auch für mich bedeutet, erfahre ich häufig.