Meylania 12 13 Floristik Gisler P-12/5: Lichenes urienses. Jüngeres Flechtenverzeichnis. Staatsarchiv Uri, Altdorf, Privatarchiv P-12 Anton Gisler (1820–1888). www.lora-uri.ch Herbar Gisler, Flechten (HG-F): Staatsarchiv Uri, Altdorf, Privatarchiv P-12 Anton Gisler (1820–1888). Oechslin, M. 1927: Die Wald- und Wirtschaftsverhältnisse im Kanton Uri. Beiträge zur geobo- tanischen Landesaufnahme 14. Verlag Hans Huber, Bern. Stofer, S., Scheidegger, C., Clerc, P., Dietrich, M., Frei, M., Groner, U., Jakob, P., Keller, C., Roth, I., Vust, M., Zimmermann, E. 2008: swisslichens – Webatlas der Flechten der Schweiz / Modul Verbreitung (Version 2 vom 20. 12. 2014). www.swisslichens.ch. Swisstopo 2013: Zeitreise – Topograische Kartenwerke (Aktualisierung 2013-01-14). www. swisstopo.admin.ch Wirth, V., Hauck, M. & Schultz, M. 2013: Die Flechten Deutschlands. Ulmer, Stuttgart. Michael Dietrich, Umweltbüro für Flechten, i de Böde, Postfach 1127 CH-6011 Kriens, m.dietrich@bluewin.ch Karl Bürgi-Meyer, Natur-Museum Luzern, Kasernenplatz 6, CH-6003 Luzern, k.buergi@sunrise.ch Ein weiterer Fund von Schistidium sordidum I.Hagen in der Schweiz: Anmerkungen zu Taxonomie und Verbreitung der Art Thomas Kiebacher & Heribert Köckinger Meylania 55 (2015): 12-15 Schistidium sordidum besitzt für ein Schistidium ungewöhnlich breit abgerundete Blattspitzen und ist dadurch gut von den meisten anderen Arten der Gattung zu unterscheiden. Sein Habitat sind feuchte, karbonathaltige Felslächen und seichte Spalten, bevorzugt in Nordlage, in der alpinen und nivalen Höhenstufe. Die Art toleriert im Gegensatz zu vielen anderen Schistidium-Arten mittellange Schneebe- deckung. Meist tritt sie als Pionier ohne Begleitmoose auf. S. sordidum (Abb.1) wurde von Hagen (1901) im Artrang beschrieben, blieb aber bis in die jüngste Vergangenheit missverstanden bzw. in weitere taxonomische Konzepte eingeschlossen. Amann in Amann et al. (1918) kombiniert das Taxon neu als Schistidium apocarpum subsp. sordidum (I. Hagen) J.J. Amann auf Unter- artniveau, kontrollierte die in Frage kommenden Schweizer Schistidium-Aufsamm- lungen aber nicht auf ihre mögliche Zugehörigkeit. Mönkemeyer (1927) führt das Taxon als Grimmia sordida (I.Hagen) Broth. unter den unsicher zuzuordnenden Sippen auf. Nyholm (1954-1969) erwähnt es als Form von S. agassizii Sull. & Lesq., Bremer (1980) schließlich als Synonym ihres S. rivulare subsp. latifolium (Zett.) B.Bremer. In der Neubearbeitung des Schistidium rivulare-Formenkreises von Blom (1998), werden drei Sippen auf Artniveau akzeptiert; neben der Nominatsippe S. rivulare (Brid.) Podp. auch S. platyphyllum (Mitt.) H.Perss. und eben S. sordidum. Er nennt die Art mit „Austria“ auch erstmals für den Alpenraum, basierend auf einer von ihm kontrollierten Aufsammlung aus den Hohen Tauern Osttirols (leg. H. Köckinger). Vor der Beschreibung der Art wurden solche Planzen in der Regel Grimmia alpicola Sw. ex Hedw. bzw. S. alpicola (Hedw.) Limpr. zugeordnet, wobei sich deren Typus später als zu S. agassizii gehörig entpuppte. Limpricht (1890) erwähnt S. alpicola s. str., Pfeffer (1871) folgend, auch für die Rhätischen Alpen. Insbesondere Pfeffers Fundortsangabe „Graubünden, Stätzerhorn, 2570 m“ (unter G. apocarpa var. alpicola (Hedw.) Röhl.) könnte durchaus auf S. sordidum begrün- det sein. Heute ist S. sordidum aus Norwegen, Schweden, Finnland, Svalbard, Russland (Blom 1998, Ignatova et al. 2009), im Alpenraum aus Frankreich (Skrzypczak 2009), Deutschland (Meinunger & Schröder 2007), Österreich (Blom 1998, Hof- mann 2004, Köckinger et al. 2008, Amann et al. 2013, Schröck et al. 2013) und der Schweiz (Hofmann 2004, Bergamini 2006, NISM 2014) bekannt. Jüngst wurde auch ein zweifelhafter Fund aus der Türkei publiziert (Batan et al. 2013). Die in der Publikation abgebildete Planze hat lange, schmale und helle Kapseln und gehört deshalb wohl kaum zu S. sordidum. In der Schweiz wurde S. sordidum 2003 von Heike Hofmann und Norbert Schnyder erstmals sicher nachgewiesen, und zwar an zwei Stellen am Faulhorn in den Ge- meinden Grindelwald und Iseltwald, BE. Hans H. Blom bestätigte die Bestimmung (Hofmann 2004). Zwei Jahre später tauchte die Art dann in einem der 1500 zufällig über die Schweiz verteilten BDM-Plots (Biodiversitäts-Monitoring Projekt des Bundesamtes für Umwelt; Hintermann et al. 2002) in der Gemeinde Nendaz, VS auf (Bergamini 2006). Bei der Zweitaufnahme 2010 wurde dieser Fund bestätigt (NISM 2014). Der folgende Fund ist nunmehr der dritte für die Schweiz. Abb. 1: Schistidium sordidum mit seinen typischen, breit abgerundeten Blättern ohne Glashaar. Österreich, Rätikon, Schesaplana, N-Seite des Gipfels, ca. 2965 m, Foto H. Köckinger