360 © 2006 Ernst & Sohn Verlag für Architektur und technische Wissenschaften GmbH & Co. KG, Berlin · Beton- und Stahlbetonbau 101 (2006), Heft 5
Berichte
DOI: 10.1002/best.200608176
bau ist in Längsrichtung vorgespannt
und besteht aus zwei parallel verlau-
fenden, über die obere Kastenplatte
verbundenen Hohlkastenträgern mit
einer konstanten Trägerhöhe von
1,6 m. An ihren Enden ist die Brücke
verschieblich gelagert; eine weitere
Bewegungsfuge befindet sich etwa in
Brückenmitte. Die Breite der Ver-
kehrsfläche (obere Kastenplatte inkl.
Auskragungen) beträgt rund 22 m. In
Querrichtung ist die Brücke lediglich
im ersten und letzten Drittel vorge-
spannt; der mittlere Drittel, der ur-
sprünglich erste Bauabschnitt, wurde
konventionell in Stahlbeton ausge-
führt.
Der Brückenüberbau war auf
Rollenlagern und Stützen mit ovalem
Querschnitt gelagert. Die Stützen
sind jeweils mittig unter den Hohl-
kasten angeordnet. In den Lager-
achsen sind die beiden Kastenquer-
schnitte über vorgespannte Querträ-
ger miteinander verbunden (Bild 2).
Die Stützenquerschnitte sind in
Richtung der Brückenachse, die
Querträger rechtwinklig dazu ange-
ordnet.
S-förmigen Durchlaufträger über 15
Felder mit einer Länge von insgesamt
539 m; die Spannweiten variieren
zwischen 27 m und 51 m. Der Über-
Die in den Jahren 1964 bis 1967 erbaute Autobahnbrücke Brunau Süd (Zürich, Schweiz)
wurde im Jahr 2000 einer eingehenden Zustandsüberprüfung unterzogen. Bestandteil
der Untersuchungen war die Überprüfung der Tragsicherheit des Überbaus. Es zeigte
sich, daß Stege und Querträger den normgemäßen Anforderungen nicht genügen, wor-
auf ein Verstärkungsprojekt zu erarbeiten war. Die Brücke wurde in der Folge auf neue
Lager gesetzt; hierzu war der Bau von Hammerköpfen erforderlich, die mit Hilfe von
Selbstverdichtendem Beton erstellt wurden. Im vorliegenden Beitrag wird über die Aus-
gangslage, die rechnerische Überprüfung und die Suche nach einer gestalterisch und
technisch vertretbaren Verstärkungsmaßnahme berichtet. Die in der Schweiz erstmalige
Anwendung von Selbstverdichtendem Beton für hoch beanspruchte Tragwerksteile wird
beschrieben, und es werden Besonderheiten hervorgehoben, die im Umgang mit beste-
hender Bausubstanz zu beachten sind.
Strengthening of the Highway Bridge Brunau Süd
The highway bridge Brunau Süd in Zurich, Switzerland, constructed during the period
1964–67, was rigorously examined in the year 2000. The examination aimed at determining
the structural safety of the bridge superstructure. It was found that webs and transverse
girders do not satisfy code requirements and corresponding strengthening measures
were planned and implemented. The superstructure was placed on new bearings, neces-
sitating the construction of pier hammer heads made of self-compacting concrete. This
paper describes the background, the structural analysis and the search for a technically
and aesthetically satisfactory strengthening method; the first application of self-compact-
ing concrete for highly stressed structural members in Switzerland is described and pe-
culiarities that have to be addressed in dealing with existing structures are highlighted.
1 Einleitung
Die Autobahnbrücke Brunau Süd
wurde in den Jahren 1964 bis 1967
erbaut. Sie ist Teil der Autobahn A3,
die die Städte Zürich und Chur ver-
bindet, und bildet den südlichen
Anschluß an das Stadtzentrum und
die Transitroute von Zürich. Nach
Fertigstellung des zur Zeit laufenden
Ausbaus wird sie Bestandteil des
Verkehrsknotens Zürich-Brunau
(Bild 1), der den Anschluß an das
Dreieck Zürich-West herstellt. Die
Brücke ist in jeder Fahrtrichtung
zweispurig mit zusätzlicher Stand-
spur ausgebaut und wird täglich von
rund 45 000 Fahrzeugen befahren;
der Anteil an schweren Fahrzeugen
beträgt rund 4 %.
Beim Tragwerk der Brücke han-
delt es sich um einen im Grundriß
Viktor Sigrist
Peter Marti
André Bättig
Verstärkung der Autobahnbrücke Brunau Süd
Bild 1. Verkehrsknoten Zürich-Brunau
ZÜRICH
CHUR
SIHL
NATIONALSTRASSE N3
BW 0 BRÜCKE BRUNAU SÜD
ALLMENDSTRASSE