NEUE HISTORISCHE LITERATUR / BUCHBESPRECHUNGEN ALLGEMEINES 437 graphischen Erzählungen von Sklaven und Sklavinnen sowie die in der Zeit des New Deal der 1930er Jahre durchgeführten Interviews – alles Material, das online verfüg- bar ist – geben Laien aufschlussreiche Einblicke in das Alltagsleben unter der Skla- verei (Fachhistoriker/innen sollten diese freilich eher mit diskursanalytischen Me- thoden erforschen). Katherine Harloe, Winckelmann and the Invention of Antiquity. History and Aesthetics in the Age of Altertumswissenschaft. (Classical Presences.) Oxford, Oxford University Press 2013. XXVI, 275 S. , £ 60,– . // doi 10.1515/hzhz-2015-0109 Balbina Bäbler, Göttingen H.will Winckelmann seinen Platz in der Wissenschaftsgeschichte als Begründer der Altertumswissenschaften zurückgeben; dazu analysiert sie die Debatten über die richtigen Methoden und Ziele der ‚Altertumswissenschaft‘, die seine Werke in Deutschland auslösten (S.xvii, xxv). Das Buch hat drei Teile: Der erste („Winckelmann in Context“, S.29–130) betrach- tet seine Laufbahn in Deutschland und ordnet diese in einen breiteren sozialge- schichtlichen Kontext ein; H.zeigt, dass Bildung im 18. Jh. die einzige Aufstiegsmög- lichkeit für junge Männer aus armen Familien war (S.29–64). Danach wird an der Entwicklung seiner Vorstellungen zwischen seinem Erstlingswerk, den „Gedancken über die Nachahmung der griechischen Wercke“ (1755), und der „Geschichte der Kunst des Alterthums“ (1764) gezeigt, dass er auch in Rom noch die Methoden der italienischen und französischen Kunsttheorie des 17. und 18.Jh.s gebrauchte (S.86), die Vorbilder für seine Beschreibungen von Kunstwerken aber vor allem bei antiken Autoren fand (S.87–90). H.analysiert die Methoden und Bausteine der „Geschichte der Kunst des Alterthums“ sowie die Reaktionen auf das Werk, dessen Potential und Neuheit meist nicht erkannt wurden (S.105–130). Für Winckelmann waren Konjek- turen und nicht zuletzt die „Liebe zur Kunst“ eine legitime Methode, wenn die anti- ken Quellen spärlich bzw. die materiellen Objekte nicht erhalten waren. Der zweite Teil („On the Contours of Das Altertum and the Possibility of its Reco- very: Heyne versus Wolf“, S.133–202) ist einem großen altertumswissenschaftli- chen Konflikt des 18.Jh.s gewidmet, dem gegenseitige Plagiatsvorwürfe enthalten- den Streit zwischen Christian Gottlob Heyne und Friedrich August Wolf um die Ho-