Sonderdruck aus: Zeitschrift f. Entwicklungspsychologie u. PädagogISche Psychologie 1987. Band XIX. Heft 1. S. 65-77 ErschelOt vierteljährlich im Verlag für Psychologie. Oe. C. J. Hogrefe. Göttingen Modalitätsspezifische Textverarbeitung bei Personen mit unterschiedlichem Kommunikationsschwerpunkt 1) Gen Rickheit, Hans Strohner und Jochen Müsseler Universität Bielefeld Die heiden wichtigsten Effekte der modalitätsSpeziflscben Tenverarbeitung drücken sich in einem größeren Anteil von exakten Wiedergaben nach dem Lesen und einem größeren Anteil von Inferenzen nach dem Hören eines Textes aus. Allerdings beruhen diese Befunde durchweg auf Untersuchungen mit Schülern und Studenten. Das Ziel der vorliegenden Studie bestand in der Überprüfung der Frage, inwieweit sich diese Effekte auf Personen mit einem geringeren schriftsprachlichen Kommuni.k.a.tionsanteil generalisie- ren lassen. Auszubildende aus kaufmännisch (schriftlicher Kommunikationsschwerpunkt) oder handwerklich (mündlicher Kommunikationsschwerpunkt) orientIerten Berufen lasen oder hörten einen expositorischen Text. nach dessen Inhalt sie unmittelbar darauf entwe· der mündlich oder schriftlich befragt wurden. Es zeigte sich. daß die in früheren Stu- dien gefundenen Modalitätseffekte nur in der Vpn-Gruppe mit schriftlichem Kommuni- kationsschwerpunkt vorhanden sind. Es kommt in Lehr-Lern-Situationen und im Bereich der öffentlichen Medien häufig vor, daß derselbe Text einmal mündlich und ein anderes Mal schriftlich übermittelt wird. Dies ist zum Beispiel der Fall in Unterrichtslektionen und bei Vorträgen, die man häufig auch in schriftlicher Form nachlesen kann, bei popu- lärwissenschaftlichen Sendungen im Rundfunk: und bei Nachrichten und Kom- mentaren. Da diese Texte meistens das Ziel haben, möglichst effizient gewisse Lernprozesse bei den Hörern oder Lesern in Gang zu setzen, ist die Frage nach etwaigen EfflZienzunterschieden zwischen der mündlichen und schriftlichen Textübermittlung eine wichtige Aufgabe praxisorientierter TextVerarbeitungs- forschung. Neben dieser praktischen Fragestellung hat der Vergleich zwischen dem Lesen und dem Hören desselben Textes auch wichtige theoretische Implikationen. 1) Das Projekt wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (Aktenzeichen Ri 314) gefordert. Wir danken Helga Buurman. Brigitte Grernse. Udo Günther. Joachim Hüttemann, Dieter Nattkemper und Eva Terhorst für ilue Mitarbeit in den verschiedenen Phasen des Projekts.