N aktuell 8 (03.2014) 3 © Leibniz-Institut für Länderkunde Kommunale und genossenschaftliche Wohnungsbestände in Deutschland Die Forderungen nach einer Mietpreisbremse und bezahlbarem Wohnraum stehen im Zentrum der wohnungspolitischen Diskussion von Bund, Ländern und Gemeinden. Aufgrund ihrer marktregulierenden Wirkung rücken dabei die kommunalen und genossenschaftlichen Wohnungsbestände wieder verstärkt ins Blickfeld der Politik. Aktuelle Deutschlandkarten, die auf den Ergebnissen der Gebäude- und Wohnungszählung des Zensus 2011 basieren, zeigen eklatante regionale Unterschiede bei der Versorgung mit genossenschaftlichem und kommunalem Wohnraum. Von Giulia Montanari und Karin Wiest Aufgrund steigender Miet‐ und )mmobilienpreise in deutschen Großstädten können öffentlich geförderte und genossenschaftliche Wohnangebote oft eine wichtige preisdämpfende Funktion übernehmen. Der Umfang und gesellschaftspolitische Stellenwert vor allem des sozialen, aber auch des kommunalen Wohnungsbaus ȋGlossarȌ hat sich in den letzten Jahrzehnten jedoch deutlich gewandelt: Der Rückzug des Bundes aus dem sozialen Wohnungsbau seit dem Ende der ͳ99Ͳer Jahre und die zunehmend ungünstige (aushaltslage der Kommunen hat dazu geführt, dass der marktregulierende Einfluss der Kommunen an Bedeutung verloren hat. Dies spiegelt sich auch in der zunehmenden Privatisierung kommunaler Wohnungsbestände wider, die seit mehr als zehn Jahren stattfindet ȋLenk/Grütner/(esse ʹͲͳͳȌ. Durch den Bedeutungsverlust des kommunalen Wohnungsbaus und die wachsenden Versorgungsengpässe, insbesondere im preisgünstigen Wohnungsmarktsegment, geraten gleichzeitig die Wohnungsgenossenschaften ȋGlossarȌ in deutschen Großstädten wieder verstärkt in den Blick. Eklatante Ost-West-Unterschiede und lokale Besonderheiten Während der Anteil von Genossenschaftswohnungen und kommunalen Wohnungen am Gesamtwohnungsbestand in Deutschland im Mittel ͳͳ Prozent ȋͷ,͵ Prozent Genossenschaften, ͷ,͹ Prozent in kommunaler (andȌ beträgt, zeigt die Karte 1 große regionale Unterschiede in der Eigentümerstruktur auf. Datengrundlage bildet die Gebäude‐ und Wohnungszählung des Zensus ʹͲͳͳ ȋGlossarȌ. Besonders auffällig ist das gravierende Ost‐West‐Gefälle, das nicht nur auf der Länderebene ȋKarte 1Ȍ, sondern auch auf der kommunalen Ebene deutlich hervortritt ȋKarte 2Ȍ. Diese regionalen Unterschiede sind in erster Linie auf die staatlich fokussierte Wohnungspolitik der DDR zurückzuführen, wo neben dem staatlich getragenen kommunalen Wohnungsbau auch die Gründung von Genossenschaften massiv unterstützt wurde. So befinden sich fast Dreiviertel der größten Genossenschaften mit Beständen über ͹.ͷͲͲ Wohnungen in Ostdeutschland ȋBMVBW ʹͲͲͶ:ͷȌ. Dieses Muster spiegelt sich auch in den Eigentümerstrukturen der Großstädte wider: Die sieben Großstädte ȋgrößer ͳͲͲ.ͲͲͲ EinwohnerȌ mit dem höchsten Anteil kommunalen und genossenschaftlichen Wohnbestandes liegen in den neuen Ländern. Rostock ist hier mit einem Anteil von ͷ͹ Prozent Spitzenreiter ȋGrafikȌ. Betrachtet man die Gemeinden aller Größenordnungen ȋKarte 2Ȍ, liegen wiederum die ostdeutschen Städte Schwedt/Oder, Eisenhüttenstadt sowie (oyerswerda mit deutlich mehr als ͹Ͳ Prozent an der Spitze. )n Westdeutschland sticht (amburg mit einem relativ hohen Anteil genossenschaftlichen ȋͳͶ,Ͷ ProzentȌ und kommunalen Eigentums ȋͳͶ,ʹ ProzentȌ hervor. Letzteres wird überwiegend von der städtischen SAGA GWG verwaltet, die nach der Auflösung der gewerkschaftlichen Neuen (eimat deren umfangreiche Wohnungsbestände übernommen hat und nun einer der größten kommunalen Wohnungsanbieter Deutschlands ist.