—————————————————— TBI2014 —————————————————— ——————————————————————————————————————————————— 457 Komplexitätsorientierte Organisationsgestaltung Ronny Weinreich, Jörg Eisele, Norbert Neumann Robert Bosch GmbH Ralph Riedel, Egon Müller TU Chemnitz Abstract Unternehmen sehen sich aktuell stark steigender Komplexität im Markt gegenüber. Darum ist es notwendig bestehende Organisationsstrukturen hinsichtlich eines effizienten und effektiven Umgangs mit Komplexität zu gestalten. Im Beitrag wird dazu auf Basis bestehender Konzepte aus den Bereichen der Systemtheorie, des Managements und des Komplexitätsmanagements ein Modell zur komplexitätsorientierten Organisationsgestaltung entwickelt und am Beispiel der weltweiten Einkaufsorganisation eines Automobilzulieferers angewendet. 1 Einführung „Wann immer sich die Medien ändern, ändert sich auch die Gesellschaft.“ Dieses Zitat des deutschen Philosophen Walter Benjamin (1892 1940) ist angesichts des massiven Wandels, den das Internet in Gesellschaft und Wirtschaft ausgelöst hat, aktueller denn je. Die durch das Internet ermöglichte, ständig steigende Vernetzung der Marktteilnehmer beschleunigt deren Kommunikation untereinander. Dies hat zur Folge, dass Bestehendes immer schneller an Aktualität verliert. Dies gilt für vorhandenes Wissen ebenso, wie für Produkte und Technologien. Als Folge sind die Beschleunigung des technologischen Fortschritts zu beobachten und die steigende Gefahr unvorhersehbarer Marktentwicklungen (Müller & Riedel, 2013). Kurzum Unternehmen sehen sich massiv steigender Komplexität gegenüber. Sie befinden sich in der Komplexitätsfalle (Kruse, 2013). Um langfristig im internationalen Wettbewerb bestehen zu können, ist es somit notwendig, dass sich Unternehmen auf allen Ebenen dieser Herausforderung anpassen. Dies schließt zwangsläufig Prozessabläufe, Organisationsstrukturen und die Unternehmenskultur mit ein. Im vorliegenden Beitrag wird ein Modell zur komplexitätsorientierten Organisationsgestaltung vorgestellt. Dieses dient dazu Organisationsstrukturen an die zu bearbeitende Komplexität anzupassen und damit zur Zukunftsfähigkeit beizutragen. Dazu werden zunächst einige theoretische Vorbetrachtungen ausgeführt mit deren Hilfe im Anschluss das Modell entwickelt wird. Anschließend erfolgt die Darstellung einer exemplarischen Anwendung. 2 Theoretischer Zugang Der theoretische Zugang zur komplexitätsorientierten Organisationsgestaltung ergibt sich aus drei bzw. vier Fachgebieten (s. Abbildung 1). Originärer Bestandteil der Organisationsgestaltung ist der Bereich von Management und Organisation. Aus dem zentralen Betrachtungsobjekt der Komplexität ergibt sich als weitere Grundlage die Systemtheorie. An der Schnittstelle von Systemtheorie und Management findet sich das Komplexitätsmanagement. Schlussendlich bietet das Systems Engineering eine methodische Basis und eine systematische Vorgehensweise für das Gestaltungsvorhaben.