Ambient Intelligence: Auf dem Weg zur Mensch-Computer-Symbiose? Michael Friedewald Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung Breslauer Straße 48, 76139 Karlsruhe michael.friedewald@isi.fraunhofer.de Abstract: Der Beitrag betrachtet das Leitbild der Ambient Intelligence, ein neues Konzept für die Mensch-Computer-Interaktion, dessen Wurzeln auf die Idee der Mensch- Maschine-Symbiose (1960) zurückreichen. Es wird untersucht, welche Auswirkungen das neue Konzept auf insbesondere auf die Identität und Autonomie des Nutzers hat. Bereits Ende der 1950er Jahre stellte J. C. R. Licklider (1915-1990), Professor für expe- rimentelle Psychologie und Elektronik am MIT, Überlegungen an, wie das Zusammen- wirken von Mensch und Computer aussehen sollte und entwickelte dabei die Vision der Mensch-Computer-Symbiose. Nach seiner Vorstellung sollte der Computer den Benut- zer bei allen routinemäßig anfallenden Tätigkeiten unterstützen, beim Schreiben von Pro- grammen und Texten ebenso wie beim Erstellen von Grafiken aus Messreihen. Insbeson- dere sollte der Computer die Arbeitsweise und Interessen seines Benutzers erkennen und diesem dann bestimmte Aufgaben ganz oder teilweise abnehmen. Sein Konzept war zwi- schen der herkömmlichen Auffassung von Technologie als einem die menschlichen Fä- higkeit rein verstärkenden und der Vision einer autonomen, dem Menschen überlegenen Künstlichen Intelligenz angesiedelt. Dabei stellt es insbesondere heraus, dass die Problem- formulierung und -lösung als interaktiver Prozess zwischen Mensch und Computer sein muss [Lic60, Pfl04, 371ff.]. Für die Realisierung seiner Vision waren Computer um 1960 freilich bei weitem nicht leistungsfähig genug. Als Abteilungsleiter bei der militärischen Advanced Research Projects Agency (ARPA) förderte Licklider aber ab 1962 Arbeiten im Bereich der interaktiven Computernutzung, die er als Vorstufen zur Mensch-Computer- Symbiose verstand. Erste Ansätze zur Realisierung der Mensch-Computer-Symbiose sind die Arbeiten von Douglas Engelbart (*1925) während der sechziger Jahre. Engelbart machte sich Gedanken über ein Gerät, mit dessen Hilfe man die geistige Arbeit von Wissenschaftlern und Mana- gern effektiver gestalten konnte, und sprach von der Verstärkung der menschlichen Intel- ligenz mithilfe des Computers. Zu diesem Zweck griff er bereits zu Beginn der sechziger Jahre Ideen der noch jungen kognitiven Psychologie auf und entwickelte auf dieser Grund- lage einen theoretischen Rahmen für die Gestaltung der Mensch-Computer-Schnittstelle. Gleichzeitig entwickelten Engelbart und seine Mitarbeiter leistungsfähige Werkzeuge für die Dokumentenerstellung und -verwaltung sowie für Aufgaben des Projektmanagements. Bei Engelbarts 1968 öffentlich vorgestelltem interaktiven Computersystem wurde auch 222