4 praxis ergotherapie Jg. 21 (1) Februar 2008 Grundlagen Die Behandlung nach Beugesehnennaht der Langfinger in der Zone II – ein Überblick Sarah G. Ewald, Vera Beckmann-Fries D ie engen anatomischen Verhält- nisse der Langfingerflexoren sind mit ein Grund, dass es nach einer Ver- letzung zu erheblichen Adhäsionen kommen kann und somit zu Einbu- ßen in der Handfunktion. Eine durch- trennte Beugesehne benötigt immer eine operative Versorgung. Kenntnis- se der Anatomie, Wissen über den zu erwartenden Heilungsverlauf und das Studium verschiedener möglicher Nachbehandlungsprotokolle sind eine wichtige Voraussetzung für die Be- handlung der handchirurgisch ver- sorgten Beugesehne in der Zone II. Allgemeine Anatomie und Bio- mechanik der Beugesehnen Sehnen sind Teil einer funktionel- len Einheit. Sie gehören zu den aus Bindegewebe bestehenden, nicht- kontraktilen Elementen eines Mus- kels. Die muskulotendinöse Einheit beginnt mit ihrem Ursprung am Kno- chen, setzt sich fort durch den Mus- kelbauch, entwickelt sich weiter in der gefinger und der ulnare zum Mittel-, Ring- und Kleinfinger (Abb. 3). Er ist das Arbeitstier: der primäre Finger- beuger. Der FDP hat Einfluss auf alle drei Fingergelenke: das proximale (PIP), das distale Interphalangealge- lenk (DIP) sowie auf das Metacar- pophalangealgelenk (MCP). Als gro- ße Besonderheit haben an den FDP die Mm lumbricales ihren mobilen Ursprung (BRAND, 1999, GOODMAN, 2005). Abb. 2: Bei Durchtrennung der Beugesehne kann der Muskeltonus nicht mehr über die Sehne auf die entsprechenden Finger übertragen werden. Abb. 1: Der Grundtonus der Finger- flexoren zieht die Finger in Ruhe in eine Beugestellung. Abb. 4: Isolierte FDS-Aktivität. Abb. 3: Isolierte FDP-Aktivität. Sehne und setzt am Kno- chen an. Die Sehne über- trägt die Kraftentwicklung des Muskels auf die be- teiligten Knochen und in- volvierten Gelenke (VAN DEN BERG, 1999). Der Grundtonus der Fin- gerflexoren zieht die Finger in Ruhe in eine Beugestellung (Abb. 1). Bei Durchtrennung einer Beugesehne fällt diese so genannte Flexorenkaska- de weg (Abb. 2). Der To- nus des Muskels kann nicht mehr über die Seh- ne auf die entsprechen- den Finger übertragen werden. Der M. flexor digitorum profundus (FDP) hat ei- nen Muskelbauch, wel- cher sich distal am Un- teram in zwei teilt: der ra- diale Anteil zieht zum Zei-