* Einführung: Die Auswirkun- gen der Diagnose Krebs Die Diagnose einer Krebserkrankung stellt ein emotional belastendes Ereignis dar, das sich zusätzlich negativ auf den psychologischen und körperlichen Ge- sundheitszustand der betroffenen Perso- nen auswirken kann. Menschen mit Krebserkrankungen erleben häufig ein Gefühl der Hilflosigkeit und Ohnmacht, sowie einen Kontrollverlust ihrer körper- lichen Funktionen wie auch einen Pers- pektivenverlust ihrer Lebensziele. Ver- schiedene Erkrankungen und Symptome wie Angst, Depression, Posttraumati- sches Belastungssyndrom (PTSD), Schlaf- störungen, Schmerzen können zusätzlich durch das Tumorwachstum oder durch dessen Therapie entstehen oder begüns- tigt werden. Die Diagnose Krebs kann jedoch nicht nur belastend oder traumatisierend für die Betroffenen sein, sondern auch für nahe Angehörige. Oft versuchen Krebsbetrof- fene durch den Gebrauch von komplemen- tär- oder alternativmedizinischen Thera- pien eine Unterstützung ihrer allopathi- schen Krebsbehandlung zu erhalten [14, 16]. Seit einigen Jahren wird das auf der Technik der Achtsamkeitsmeditation beru- hende Mindfulness-Based-Stress-Reducti- on (MBSR)-Programm als ergänzende the- rapeutische Maßnahme auch zunehmend in der Krebsbehandlung zur Reduktion von Angst, Depression und Stress einge- setzt. Die Tatsache, dass die wissenschaft- liche Datenbank Google Scholar seit An- fang 2007 mehr als 740 wissenschaftliche Artikel aufgenommen hat, die die Index- worte „Mindfulness“ und „Cancer“ enthal- ten, ist ein deutlicher Beleg für die stei- gende Popularität dieser Maßnahme, die nun auch in Deutschland vermehrt Be- achtung findet. Diese vielversprechende Methode und der Forschungsstand dazu sollen in diesem Beitrag kurz anhand von ausgewählten Studien – und ohne An- spruch auf Vollständigkeit – dargestellt werden. Von der Achtsamkeits- meditation zum Mindfulness- Based-Stress-Reduction (MBSR)-Programm Achtsamkeit (englisch: mindfulness) ist ein zentraler Begriff in der buddhistischen Weisheitslehre, der auf ein klares und nicht-wertendes Gewahrsein dessen, was in jedem Augenblick geschieht, abzielt. Achtsamkeitsmeditation ist eine Meditati- onsform, mit deren Hilfe man lernen kann, den Moment wahrzunehmen und Körperempfindungen, Gedanken, Gefühle zu betrachten und diese zu akzeptieren, ohne sie kognitiv oder emotional zu be- werten. In diesem Sinne hebt sie sich von anderen Meditationspraktiken ab, die auf einer Fokussierung oder willentliche Len- kung des Bewusstseins beruhen. Achtsam- Achtsamkeit und Krebs – eine Übersicht Marie-Louise Gander, Niko Kohls, Harald Walach Zusammenfassung Der Artikel gibt eine Übersicht über den heutigen Stand der Forschung in Acht- samkeitsmeditation für krebskranke Menschen. Achtsamkeitsmeditation (Mindfulness) und das darauf basierende Mindfulness-Based-Stress-Reduction Programm (MBSR) wird in den letzten Jahren auch zunehmend häufiger als ein flankierendes Therapieangebot für krebskranke Menschen eingesetzt. Achtsam- keit kann als ein Bewusstseinszustand beschrieben werden, der auf ein klares und nicht-wertendes Gewahrsein dessen abzielt, was in jedem Augenblick geschieht. Achtsamkeitsmeditation ist eine Meditationsform, mit deren Hilfe man lernen kann, den Moment wahrzunehmen und Körperempfindungen, Gedanken, Gefühle zu betrachten und diese zu akzeptieren, ohne sie kognitiv oder emotional zu bewerten. Das standardisierte MBSR-Basistraining besteht aus einem achtwö- chigen Gruppenangebot von 1,5 Stunden Dauer pro Woche, sowie zusätzlich einen ganzen Tag der Achtsamkeit. Zusätzlich wird von den Teilnehmern verlangt, dass sie täglich 30 – 45min eigenständig praktizieren. In letzter Zeit ist ein Anstieg von Studien zu beobachten, die trotz einiger methodischer Mängel in der Summe darauf hindeuten, dass Achtsamkeitsmeditation eine wirkungsvolle Begleit- maßnahme zu Behandlung von Krebs darstellen kann. Dabei kann davon aus- gegangen werden, dass der mit Achtsamkeit verbundene Bewusstseinszustand aufgrund seiner komplexen psychophysikalischen Wechselwirkung seine salu- togenetische Wirkung entfalten kann. Trotz einiger Hinweise konnten gegen- wärtig jedoch noch keine spezifischen Wirkmechanismen identifiziert werden. In weiteren Schritten sollte daher untersucht werden, ob die Effekte einfach durch Entspannung oder die Zuwendung im Rahmen der Gruppenarbeit zustande kommen oder spezifisch mit der Achtsamkeitsmeditation verbunden sind. Hierzu sind Studien mit aktiver Kontrolle nötig, die derzeit nicht in ausreichendem Ausmaß vorliegen. Schlüsselwörter Achtsamkeit, Meditation, Krebs, Mind- fulness-based Stress Reduktion, MBSR, Psychophysiologie, Komplementärme- dizin FORSCHUNG Gander M-L , Kohls N, Walach H: Achtsamkeit und Krebs – eine Übersicht Deutsche Zeitschrift für Onkologie 2008; 40: 158–162 158 FORSCHUNG