137 Alexander Pinwinkler Der Geschichts- und Geographie- unterricht – das Beispiel Salzburg Einführung „Wenn […] aus dem kleinen Gezänk dort unten am Balkan sich ein großer Brand entfachen sollte, dann – ja, dann bekommen wir Lehrer neuen Stoff, um die Jugend für die Wahrheit zu begeistern, eine Wahrheit, die freilich je nach den Landesfarben ein anderes Gesicht besitzt. Wir selbst aber werden zu der großen Masse jener gehören, welche die Zeche zu bezahlen haben.“ 1 Diese prophetisch vorausschauenden Worte stammen von Eduard Baum- gartner, einem sozialdemokratischen Salzburger Lehrer und Volksbildner. Baumgartner warnte angesichts des Balkankriegs 1912 vor einem künftigen „Weltenbrand“, der seinen Ausgang von Südosteuropa nehmen könnte. Zwei Jahre später war der von ihm prognostizierte „Zukunftskrieg“ da. Kriegsuto- pien hatten sich speziell in der deutschsprachigen novellistischen Literatur spätestens seit der Jahrhundertwende zunehmend verbreitet. Baumgartner rezipierte somit ein Element des damaligen Krisendiskurses, das in Teilen der Gesellschaft bereits auf fruchtbaren Boden gefallen war. 2 Jetzt zählte Baumgartner jedenfalls nicht mehr zu den besonnenen Mahnern; vielmehr wetterte er im September 1914 gegen die „asiatischen Barbaren an Öster- reichs Grenzen“; in dem gegenwärtigen „Kampf um die Kultur“ würden „der Deutsche, der Österreicher […] die Kultur verteidigen“. 3 Priv.-Doz. Dr. Alexander Pinwinkler, Universität Salzburg, Fachbereich Geschichte. Forschungsinteressen: Wissenschaftsgeschichte der transdisziplinären Bevölkerungs- forschungen im 19. und 20. Jahrhundert; Geschichte der Habsburgermonarchie im ‚langen‘ 19. Jahrhundert; Verfolgung, Emigration und Exil legitimistischer Intellektueller im „Dritten Reich“. 1 Eduard Baumgartner: Die Kriegsgefahr und die Schule. In: Zeitschrift des Salz- burger Landeslehrervereines 42 (1912), S. 135-137, hier S. 137. 2 Vgl. hierzu Detlef Münch: Der Zukunftskrieg in der deutschen Novellistik und Illustration der Jahre 1900–1928, München 2007. 3 Eduard Baumgartner: Der Kampf um die Kultur. In: Zeitschrift des Salzburger Landeslehrervereines 45 (1914), S. 117.