Bot Helv 106: 227-260
Ein floristischer Ansatz
0253-1453/96/020227-34 $1.50+0.20/0
© 1996 Birkhäuser Verlag, Basel
zur biogeographischen Gliederung der Schweiz
Thomas Wohlgemuth
Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL), CH-8903 Birmensdorf
Manuskript angenommen am 31. Juli 1996
Abstract
Wohlgemuth T. 1996. A biogeographical division of Switzerland based on a floristical
approach. Bot. Helv. 106: 227-260.
Definitions of biogeographical regions in Switzerland are traditionally based on
expert knowledge. Six different sets of systematically collected floristic data, including
129 to 2280 species, were analysed by means of minimum variance analysis, using two
similarity measures, the correlation coefficient of standardized data and the Jaccard
coefficient. The resulting groupings are compared with some of the traditional classifica-
tions using kappa statistics. The main divisions obtained by the statistical procedure are
roughly corresponding to those based on expert knowledge. There is evidence that
standardized and correlated distribution data tend to build more coherent groups. Data-
sets with a high number of species are divided into more coherent groups than datasets
with a low number of species. Biogeographical divisions of Switzerland into 5, 11, 19 and
30 groups are suggested. Possible causes for these patterns are discussed.
Key words: biogeography, duster analysis, floristic regionalisation, species richness.
1. Einleitung
Ein Naturraum ist ein Wirkungsgefüge vieler Geofaktoren. In sich geschlossene
Naturräume tragen in der Regel einen Gebietsnamen. Einfache Namen deuten auf
eindeutig abgrenzbare Naturräume oder Fluren hin, zusammengesetzte Namen zeigen
vage Unterschiede innerhalb einer hierarchisch höheren Einheit an, oder anders ausge-
drückt, sie deuten auf fließende Übergänge hin, z. B. östliches und westliches Mittelland,
Ostalpen und Westalpen. Obwohl uns bei Namen wie ,Mittelland', ,Jura' oder ,Alpen'
sofort klar ist, was damit gemeint ist, dürfte es oft schwierig sein, die präzisen Grenzen
zwischen den genannten Gebieten zu definieren. Solche Grenzdefinitionen werden seit
etwa 30 Jahren zu verschiedenen Zwecken vorgeschlagen (vgl. Tab. 1). Es handelt sich in
den meisten Fällen um biogeographische Gliederungen, also um Einteilungsvorschläge,
welche auf der Verbreitung von Pflanzen- oder Tierarten oder"davon abgeleiteten Infor-
mationen wie z. B. Wärmestufen oder Produktionsregionen basieren. Im Falle der natur-
räumlichen Gliederung von Gutersohn (1973) liegt das Schwergewicht auf der Land-
schaftsform.
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