1 Religionspädagogische Beiträge zum Symposium „Irritierter Blick – wahrnehmende Orientierung“ Neues Sehen: Methodische Innovationen und religiose Novitaten Heinz Streib „Wie kƌiegeŶ ǁiƌ geleďte ReligioŶ so iŶs KlasseŶziŵŵeƌ hiŶeiŶ, daß Lehƌeƌ uŶd Schüler an ihr aƌďeiteŶ uŶd leƌŶeŶ köŶŶeŶ?“ fƌagte C. Bizeƌ bereits 1981. 1 Diese Frage aufnehmend hat H.-G. Heimbrock in den 90er Jahren einen programmatischen Entwurf vorgelegt, der das Fragezeichen durch ein klares Ausrufezeichen ersetzt: Gelebte Religion im Klassenzimmer! 2 Dabei hat Heimbrock in diesen Perspektivenwechsel nicht allein Ansätze eines seelsorgerlich oder sozialisationsbegleitend profilierten Religionsunterrichts, 3 und damit eine feine Frankfurter Tradition, aufgenommen, sondern diesem Perspektivenwechsel in religionspädagogischer Absicht zugleich eine beachtliche Horizonterweiterung angedeihen lassen, die sich insbesondere seiŶeƌ PƌofilieƌuŶg des VeƌstäŶdŶisses ǀoŶ „geleďteƌ ReligioŶ“ ǀoŶ JugeŶdliĐheŶ ǀeƌdaŶkt. Lebensweltbezogene Religionsdidaktik wird nun so verstanden, dass auch und gerade religiöse Phänomene in der Alltagskultur und der bei Jugendlichen populären medialen Welt in Musik, Film und Computerspiel, und dabei ausdrücklich auch implizite Formen solcher gelebten Religion, in den Rang religionsdidaktisch beachtlicher Phänomene erhoben werden. Mit dieser Peƌspektiǀe „geleďte ReligioŶ iŵ KlasseŶziŵŵeƌ“ kaŶŶ und sollte konzeptionell, praktisch und empirisch weitergearbeitet werden. Im Blick auf die Quellen der Erkenntnis üďeƌ edžplizite uŶd iŵplizite „geleďte ReligioŶ“ Jugendlicher, die empirische Seite des Projekts, sind die Heimbrock-Texte der 1990er Jahre eher sparsam und vor allem: skeptisch: Heimbrock kritisiert ǀoƌ alleŵ, dass eŵpiƌisĐhe FoƌsĐhuŶg „iŵ Schlepptau von HandlungswissensĐhafteŶ“ „ƌegelhaftes uŶd tLJpisieƌďaƌes VeƌhalteŶ“ ďeföƌdeƌe. Die Sparsamkeit der Notizen über empirische Forschung hat sich inzwischen geändert: 2007 erschien die mit A. Dinter und K. Söderblom herausgegebene Einführung in die Empirische Theologie 4 mit einer Fülle von Vorschlägen und Überlegungen, wie die Wahrnehmung gelebter Religion empirisch von statten gehen kann. Hier hätte ich dann doch einiges hinzuzufügen und zu diskutieren. Ich werde dies so versuchen, dass ich zwei Fälle aus eigener Forschung vorstelle, um anschließend einige Überlegungen zur Frage der methodischen Innovation zur Diskussion zu stellen. Auf diese Weise hoffe ich, dem mir gestellten hochinteressanten Thema gerecht zu werden, bei dem der Reiz ja in der Beziehung zwischen religiösen Novitäten und methodischer Innovation liegt. 1 Bizer 1981, S. 99. 2 Heimbrock 1998. 3 Stoodt 1975, 1977, 1992. 4 Dinter, Heimbrock, & Söderblom 2007.