Petra L. Klumb
1
· B. Geiselmann
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· M. M. Baltes
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Forschungsgruppe Psychologische Gerontologie (Leiterin:Prof.Dr.M.M.Baltes), Abteilung für
Gerontopsychiatrie, Psychiatrische Klinik und Poliklinik, Freie Universität Berlin
2
Klinik für Alterspsychiatrie (Chefarzt: Prof. Dr. S. Kanowski), Max-Bürger Zentrum, Berlin
Alltagsaktivitäten
bei Depression und Demenz
im hohen Alter
Ergebnisse der Berliner Altersstudie
eine Person tatsächlich ausführt. Diese
Praxis kann insofern zu Verzerrungen
der Ergebnisse führen, als Personen mit
beschränkter Zahl von Tätigkeitsberei-
chen möglicherweise als selbständiger
beurteilt werden [19].
Demgegenüber begreift der sozial-
wissenschaftliche Ansatz Alltagsaktivi-
täten als Ausdruck des Zusammenspiels
äußerer Gelegenheiten und Einschrän-
kungen auf der einen Seite mit Merkma-
len der Person auf der anderen Seite. Die
bei der Erfassung dieses Zusammen-
spiels zum Einsatz kommenden Metho-
den sind Tagebücher,Interviews und Be-
obachtungen [7, 10, 31]. Alltagsaktivitä-
ten werden hier als Mittel zur Errei-
chung persönlicher Ziele angesehen.
Statt der Güte der Ausführung einzelner
Aktivitäten steht hier die Gestaltung des
Alltags in Form der Zuweisung von Zeit
zu unterschiedlichen Aktivitäten, Orten
und Personen im Vordergrund – also
das Was,Wann,Wo und Mit-Wem.
Diesen beiden Traditionen ent-
spricht eine verbreitete Einteilung der
Alltagsaktivitäten in zwei Gruppen, die
sich inzwischen empirisch bewährt hat
[3, 4]: obligatorische oder basale Aktivi-
täten und wählbare Aktivitäten. Die ob-
ligatorischen Aktivitäten dienen in er-
ster Linie der Befriedigung physiologi-
Zum theoretischen Hintergrund
Die Aufrechterhaltung eines selbständi-
gen, selbstverantwortlichen und persön-
lich zufriedenstellenden Lebens sind
Zielbereiche kompetenten Handelns im
Alter, deren Untersuchung einen zentra-
len Platz in der gerontologischen Litera-
tur einnimmt [20]. Ein Maß für kompe-
tentes Handeln im Alltag ist die Bewälti-
gung von Alltagsaktivitäten. In der Lite-
ratur finden sich verschiedene Zugangs-
wege zur Erfassung von Alltagsaktivitä-
ten, deren Mehrzahl sich zwei Traditio-
nen zuordnen läßt, einer klinisch-geria-
trischen (z.B. [18, 26]) und einer sozial-
wissenschaftlichen (z.B. [15, 19, 30]).
Beim klinisch-geriatrischen Zugang
steht die Bestimmung der funktionellen
Kapazität für die Ausführung von le-
bensnotwendigen Basisaktivitäten des
Alltags (Aufstehen, Waschen, Anziehen,
Essen etc.) im Mittelpunkt. Die dazu ein-
gesetzten Methoden sind Skalen zur
Selbst- und Fremdeinschätzung der Hil-
febedürftigkeit bei Selbstpflege- und in-
strumentellen Alltagsaktivitäten (ADL
und IADL, z.B. [18, 22, 26]; s.a. die Activ-
ity Limitation Scale der CARE Technik
[13]). Hierbei ist die Qualität der Lei-
stung von Interesse, und es wird danach
gefragt, wie selbständig eine Person die
jeweilige Tätigkeit ausführen kann. Pro-
blematisch bei diesen Skalen erscheint,
daß nur Hilfebedürftigkeits-Punkte für
solche Tätigkeiten verteilt werden, die
Der Nervenarzt 7·99
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Originalien
Nervenarzt
1999 · 70: 627–636 © Springer-Verlag 1999
Zusammenfassung
Wir haben die Zeitverwendung von Perso-
nen in 7 aus der psychiatrischen Diagnostik
resultierenden Gruppen verglichen: a) Pro-
banden ohne dementielle oder depressive
Symptome, b) Probanden mit einzelnen De-
menz-Symptomen ohne Krankheitswert, c)
Probanden mit Demenz nach DSM-III-R, d)
Probanden mit depressiven Symptomen
ohne Krankheitswert, e) Probanden mit De-
pression NNB, f ) Probanden mit Depression
nach DSM-III-R und g) Probanden, bei denen
es (mindestens) Symptome beider Erkran-
kungen gab. Generell erwies sich die Gestal-
tung des Tages in den Gruppen als ähnlich.
Wie erwartet konnten jedoch in spezifischen
Dimensionen Unterschiede ausgemacht
werden. Demente und depressive Probanden
unterschieden sich hinsichtlich der Dauer
von Ruhezeiten und der „rezeptiven Freizeit“
gleichsinnig von den übrigen Personen. In-
strumentelle Aktivitäten, aktive Freizeit,Ta-
geslänge und allein verbrachte Zeit besaßen
differentielle Validität hinsichtlich Demenz-
Diagnosen, z.T.auch nach Berücksichtigung
körperlicher Morbidität. Die Berücksichti-
gung körperlicher Morbidität ermöglichte
auch, auf der Basis der instrumentellen Akti-
vitäten Demenz- und Depressions-Diagno-
sen voneinander zu differenzieren.
Schlüsselwörter
Alltagsaktivitäten · Demenz · Depression ·
Subdiagnostik
Dr. P. Klumb
FU Berlin, Nußbaumallee 38, D-14050 Berlin