Gefässchirurgie 2009 · 14:80–91
DOI 10.1007/s00772-008-0658-9
Online publiziert: 20. März 2009
© Springer Medizin Verlag 2009
T.F. Weber
1, 2
· P. Geisbüsch
3
· F. Rengier
1, 2
· S. Partovi
2
· H. Schumacher
4
·
D. Böckler
3
· H.-U. Kauczor
1
· H. von Tengg-Kobligk
2
1
Abteilung für Diagnostische und Interventionelle Radiologie,
Universitätsklinikum Heidelberg
2
Abteilung Radiologie, Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg
3
Klinik für Gefäßchirurgie, Vaskuläre und Endovaskuläre Chirurgie,
Universitätsklinikum Heidelberg
4
Klinik für Gefäßchirurgie, vaskuläre und endovaskuläre Chirurgie, Klinikum Hanau
Semiautomatische Center-
line-Analyse zur Planung
endovaskulärer Rekonstruk-
tionen des Aortenbogens
Leitthema
Das Spektrum von Pathologien des Aor-
tenbogens umfasst neben dem klassischen
thorakalen Aortenaneurysma (TAA) und
der klassischen Aortendissektion, auch
Sonderformen wie das intramurale Hä-
matom als deren Vorläufer, seltenere En-
titäten wie das penetrierende Aortenulkus
(PAU) oder den traumatischen Aorten-
abriss [5, 11, 15, 35]. Der Aortenbogen stellt
aufgrund seiner speziellen Morphologie,
dem engen anatomischen Bezug der Läsi-
onen zu den supraaortalen Gefäßabgän-
gen sowie der besonderen Hämodynamik
und Wandelastizität eine besondere the-
rapeutische Herausforderung dar. Derzeit
stehen im Aortenbogen prinzipiell drei
Therapieverfahren zur Verfügung:
F Der konventionelle offene Aorten-
bogenersatz unter Einsatz der Herz-
Lungen-Maschine mit selektiver an-
tegrader Hirnperfusion und tiefer
Hypothermie, ggf. mit Erweiterung
zum klassischen „elephant trunk“ [21,
24].
F Die vollständig minimal-invasive en-
dovaskuläre Rekonstruktion des Aor-
tenbogens unter Verwendung von
Endoprothesen mit Fenestrierung
(fenestrated) oder Seitarmen
(branched) [1, 9, 12, 27].
F Die aortale Hybridoperation, eine
Kombinationsoperation bestehend
aus einer konventionellen offenen Re-
konstruktion der supraaortalen Äste
(sog. „aortales Debranching“) und ei-
ner endovaskulären Exklusion der Pa-
thologie oder durch Einsatz einer Hy-
bridendoprothese, der sog. Frozen-
Elephant-Trunk-Technik im Herz-
kreislaufstillstand mit offenem Ersatz
von Aorta ascendens und des Aorten-
bogens einschließlich endovaskulärer
Sanierung des distalen Aortenbogens
und der proximalen Aorta descen-
dens [4, 16, 20, 31, 36].
Endovaskuläre Techniken haben sich in
zahlreichen Untersuchungen als innova-
tive Therapieoption mit geringer periope-
rativer Morbidität und Mortalität erwie-
sen und sind z. B. bei der akuten kompli-
zierten Aortendissektion Typ Stanford B
als Therapie der ersten Wahl etabliert [6,
32, 38]. Die Patienten- und Verfahrensaus-
wahl hängt bei der endovaskulären Vor-
gehensweise neben dem individuellen Pa-
tientenprofil (Komorbiditäten) entschei-
dend von der morphologischen Eignung
ab. Eine besondere Bedeutung besitzen
hierbei die Identifizierung und Charak-
terisierung einer adäquaten proximalen
Landungszone, die im Gegensatz zu infra-
renalen Aneurysmata (1,5 cm) bei der Be-
handlung thorakaler Läsionen mindestens
2 cm entlang der Gefäßmittelachse durch-
messen sollte. Insbesondere die folgenden
anatomischen Eigenschaften sind im Vor-
feld eines thorakalen endovaskulären Ein-
griffs zu berücksichtigen:
F Länge, Durchmesser und Beschaf-
fenheit (Thrombus/Kalzifikation) der
Landungszonen.
F Morphologie (Krümmungsgrad/
Torsion) des Aortenbogens.
F Länge und Ausdehnung der
Pathologie.
F Lagebeziehung der Pathologie und
der Landungszonen zu den supra-
aortalen Gefäßen.
F Beurteilung der Zugangsgefäße
(Kaliber/Elongation/Verkalkung/Dis-
sektion).
Der aortalen Schnittbildgebung mittels
hoch auflösender Computertomographie
(CT) kommt somit sowohl für die Pati-
entenselektion als auch für die präope-
rative Planung eine wesentliche Rolle in
der Therapie von Aortenerkrankungen
zu. Moderne Techniken der Bildnach-
verarbeitung radiologischer Bilddaten-
sätze liefern dabei eine bedeutsame Ent-
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Gefässchirurgie 2 · 2009