Zur ‚Krise der Intellektuellen‘ – von alten und neuen Pro- pheten Alexander Hirschfeld und Vincent Gengnagel Beitrag zur Ad-hoc-Gruppe »Krise der Intellektuellen?! Intellektuellensoziologie in Zeiten von Experten, sozialen Bewegungen und Bloggern« – organisiert von Thomas Laux und Insa Pruis- ken Einleitung Der diagnostizierten ‚Krise der Intellektuellen‘, so die These dieses Beitrags, lässt sich mit einer relationalen Konstruktion von Kritik und Intervention begegnen. Die Etablierung charismatischer Persönlichkeiten, ausgerufen etwa in den Bestsellerlisten der Feuilletons, hat an Stabilität und gesamtgesellschaftlicher Strahlkraft verloren. Dennoch ist Intellektualität keineswegs verschwun- den: Sie wird prinzipiell immer dann sichtbar, wenn aus einem partikularen Feld kultureller Pro- duktion heraus im Namen allgemeiner Autorität – etwa der Moral, Logik, Ästhetik – in einem an- deren Feld eingegriffen wird. Für einen empirischen Zugang zur historischen Veränderung der Praktiken kritischer In- tervention bietet sich der Fokus auf die Konstitution spezifischer Problemwahrnehmungen an. So lässt sich die Hervorbringung von Intellektualität (oder allgemeiner:) kritischer Intervention aus jeweils erfolgreichen Geltungsansprüchen rekonstruieren. Max Webers Unterscheidung zwi- schen Propheten und Priestern sowie sein Verweis auf deren relative Abhängigkeit von Laien dient dabei als theoretischer Bezugsrahmen zur Bildung idealtypischer Strategien der Interven- tion. Die kulturelle Autorität – die zuvor Intellektuellen zugeschrieben wurde – wird so zu einer umkämpften Ressource. Dazu kann Pierre Bourdieus Konzeption des Feldes der Macht herange- zogen werden: Indem analysiert wird, aus welchen Feldern heraus von wem in andere eingegrif- fen werden kann, wird Intervention als Resultat erfolgreicher Positionierungsstrategien verstan- den. Die Dominanz bestimmter Formen der Intervention und dazu korrespondierende Sozialfi- guren – wie die des Intellektuellen der Nachkriegszeit – erscheint vor diesem Hintergrund als Er- gebnis der Kräfteverhältnisse in und zwischen sozialen Feldern. Die Soziologie der Intellektuellen