326 GRAMMATIK ANDERS: VON DER FUNKTION ZUR FORM 1 Karin Vilar Sánchez (Universität Granada) Linus Jung (Universität Málaga) Julia Möller Runge (Universität Granada) 1. Einleitung. In unserem Beitrag möchten wir einen Vergleich verschiedener Grammatiken des Deutschen bzgl. Ihrer Brauchbarkeit unter dem Aspekt der Funktion und vom onomasiologischen Ansatz her vornehmen. Onomasiologisch verstehen wir als von der Funktion ausgehend. Dieser Begriff steht im Gegensatz zu semasiologisch, was als von der Form ausgehend versehen. Die traditionellen Grammatiken sind nach dem semasiologischen Prinzip aufgebaut, denn an erster Stelle steht die Beschreibung zur Bildung und im besten Falle auch zum Gebrauch der grammatikalischen Formen und Strukturen, und nur im günstigsten Falle erfolgt darauf dann noch eine Erklärung zur Funktion oder gar zu den verschiedenen Funktionen der besagten Form und/oder Struktur, ganz zu schweigen von erklärenden Angaben zur Häufigkeit oder zu kontextuellen Einschränkungen. Z.B. erfährt man in der ansonsten unseres Erachtens ausgezeichneten Mittelstufengrammatik für Deutsch als Fremdsprache von Bernd Latour (1992), die ebenfalls nach dem semasiologischen Prinzip aufgebaut ist, im Kapitel zum Konditionalsatz zuerst einmal, wie dieser aufgebaut ist und wie er gebildet wird. Bzgl. der Subjunktoren erfährt der Leser auch, dass jeder von ihnen einen unterschiedlichen Grad der Wahrscheinlichkeit bewirkt: In den Sätzen mit falls und sofern ist die Unischerheit, ob die Bedingung auch wirklich eintritt, etwas grösser. (im Gegensatz zu wenn) (Latour, 1992: 190). Ausserdem werden andere Konnektoren (die Präposition bei) und Konnektionsphrasen (unter der Voraussetzung/Bedingung, dass) besprochen sowie die Möglichkeit der Erststellung des Verbs, ohne Verwendung eines Konnektors. Abschliessend werden noch Gebrauch und Bedeutung des Konjuntivs II im potentialen und im irrealen Konditionalsatz besprochen. Kein Wort allerdings fällt zu den verschiedenen Funktionsmöglichkeiten des Konditionalsatzes, ganz so als würde dieser immer nur verwendet werden, um ein Bedingungsgefüge auszudrücken. Dies ist allerdings nicht der Fall. Man nehme z.B. folgenden Satz: Ich würde gerne an der Führung teilnehmen. Wenn Sie mich bitte eintragen würden. Hier handelt es sich natürlich von der Form her um einen unvollständigen Konditionalsatz (Wenn Sie mich eintragen würden, würde ich mich freuen), aber ausgedrückt werden soll hier nicht eine Bedingung, sondern eine Bitte, gleichzustellen mit dem Satz: Bitte tragen Sie mich ein. Der Unterschied zwischen Bitte tragen Sie mich ein und Wenn Sie mich bitte eintragen würden ist der Grad der Höflichkeit, der im zweiten Satz wesentlich höher ist, denn die Erfüllung dieser Bitte wird formal von der