Der Orthopäde 5•2002
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Zusammenfassung
Es wurde ein detailliertes Computermodell
der Lendenwirbelsäule erstellt. In das Re-
chenmodell wurden ein bisegmentales Wir-
bel-Fixateur-interne-System sowie nachein-
ander 2 unterschiedliche Implantate zum Er-
satz eines Wirbelkörpers eingebaut. Belastet
wurde das Modell mit Momenten in den 3
anatomischen Hauptebenen, sowie mit Kräf-
ten wie beim Stehen.
Durch einen Wirbelkörperersatz wird
die Beweglichkeit im betreffenden Bereich
drastisch reduziert. In den benachbarten
Segmenten hat ein Implantat bei den ge-
wählten Belastungen nur einen minimalen
Einfluss auf die Beweglichkeit und Spannun-
gen. Eine Vorlast, wie sie beispielsweise
durch die zusätzliche Distraktion eines pass-
genau eingebrachten ventralen Implantats
aufgebracht wird, hat einen starken Einfluss
auf die Spannungen in den implantatnahen
Endplatten. Unterschiedliche Größen der
Kontaktflächen zwischen Implantat und Wir-
belkörper haben nur einen lokalen Effekt auf
die Spannungsverteilung.
Schlüsselwörter
Lendenwirbelsäule · Finite-Elemente-Metho-
de · Wirbelkörperersatz · Spannungsanalyse
Tumoren und einige spezielle Trüm-
merfrakturen erfordern die Entfernung
eines Wirbelkörpers. Für dessen Ersatz
stehen unterschiedliche Implantate zur
Verfügung [4, 6, 8, 13, 14]. Die in der Hö-
he adaptierbaren Implantate gestatten
die Anlagerung von Knochenzement
oder Knochenspänen. Damit die Im-
plantate stabil an ihrem vorgesehenen
Platz bleiben, werden sie üblicherweise
zusammen mit anderen Implantaten
eingesetzt, beispielsweise mit einem
Wirbel-Fixateur interne. Der Einfluss ei-
nes Wirbelkörperersatzes auf das me-
chanische Verhalten der Lendenwirbel-
säule ist noch weitgehend unbekannt.
Die Finite-Elemente-Methode er-
laubt die rechnerische Analyse der Be-
wegungen und Beanspruchungen solch
komplexer Strukturen wie der Lenden-
wirbelsäule. Dabei ist aber eine Reihe
von Vereinfachungen und Annahmen
unumgänglich. Beispielsweise sind die
Materialdaten der verschiedenen Gewe-
be sowie die auftretenden Belastungen
nur unzureichend bekannt. Außerdem
müssen bei der Beschreibung der Geo-
metrie Vereinfachungen gemacht wer-
den, um die Zahl der Freiheitsgrade des
Modells und damit die Rechenzeit, in
vertretbaren Grenzen zu halten. Die Er-
gebnisse können aber nur so gut sein
wie die Daten, die das Rechenmodell be-
schreiben. Somit haben die Annahmen
und Vereinfachungen einen sehr großen
Einfluss auf die berechneten Ergebnis-
se. Bei komplexen Modellen ist deshalb
eine Verifizierung, beispielsweise mit ex-
perimentell ermittelten Daten, unbe-
dingt erforderlich.
Beanspruchungsanalysen an Wir-
belsäulensegmenten mit Hilfe der Me-
thode der finiten Elemente sind von
mehreren Gruppen durchgeführt wor-
den [1, 7, 11, 17, 19, 21]. Der Einfluss von
Zwischenwirbelkäfigen auf das mecha-
nische Verhalten von Wirbelsäulenseg-
menten wurde ebenfalls mit dieser Me-
thode untersucht [5, 11, 12]. Über die Wir-
kung eines Wirbelkörperersatzes auf das
Bewegungsverhalten der Lendenwirbel-
säule sowie auf die Lastübertragung in
den Wirbelkörpern ist dagegen nur we-
nig bekannt.
Das Ziel dieser Studie war die rech-
nerische Ermittlung des Einflusses zwei-
er klinisch gebräuchlicher Implantate
zum Ersatz eines Wirbelkörpers auf die
Beweglichkeit im überbrückten und in
den benachbarten Bereichen sowie auf
die Spannungsverteilung in den angren-
zenden Wirbelkörpern.
Material und Methodik
Ein dreidimensionales, nichtlineares Fi-
nite-Elemente-Modell der Lendenwir-
belsäule wurde erstellt [20, 21]. Es be-
Zum Thema: Implantatsysteme
Orthopäde
2002 · 31:503–507 © Springer-Verlag 2002
A. Rohlmann
1
· T. Zander
1
· M. Fehrmann
1
· C. Klöckner
2
· G. Bergmann
1
1
Biomechanik-Labor,Universitätsklinikum Benjamin Franklin,Freie Universität Berlin
2
Orthopädische Universitätsklinik, FU Berlin, Zentralklinik Emil von Behring,
Stiftung Oskar-Helene-Heim, Berlin
Einfluss von Implantaten zum
Ersatz eines Wirbelkörpers
auf das mechanische Verhalten
der Lendenwirbelsäule
Dr.-Ing. Antonius Rohlmann
Biomechanik-Labor,
Universitätsklinikum Benjamin Franklin,
Hindenburgdamm 30, 12203 Berlin
E-Mail: rohlmann@biomechanik.de