Göttinger Forum für Altertumswissenschaft 20 (2017) 1053-1056 http://gfa.gbv.de/dr,gfa,020,2017,r,08.pdf DOI: 10.14628/GFA_020_2017_R08 Ursula VEDDER, Der Koloss von Rhodos. Archäologie, Herstellung und Rezeptionsgeschichte eines antiken Weltwunders. Mainz am Rhein: Nün- nerich-Asmus Verlag & Media 2015, 168 S., 84 Abb. (s/w und Farbe) Aus der Antike sind literarisch gefasste Listen besonders bewunderter Bauten und Kunstwerke in größerer Zahl überliefert. So nimmt es nicht wunder, dass sich die aufgelisteten Objekte und deren Anzahl im Laufe der Zeit ändern konnten. 1 Die ‚traditionelle‘ Liste der heute aus der Antike bekannten Welt- wunder findet sich mit einer Ausnahme erstmals bei Antipatros von Sidon. 2 Das bekannteste dieser 7 Weltwunder ist wohl der Koloss von Rhodos. Er wurde nicht nur in der Literatur häufig behandelt, sondern schaffte es sogar auf die große Kinoleinwand. 3 Die Errichtung des bronzenen Koloss von Rhodos wurde, so Plinius, der ein hel- lenistisches Epigramm wiedergibt, 4 aus dem Verkaufserlös der nach dem miss- glückten Eroberungsversuch der Stadt Rhodos durch Demetrios Poliorketes im Jahr 305-304 v. Chr. zurückgelassenen Kriegsgerätschaften finanziert. Die Bronzestatue sei von Chares von Lindos geschaffen worden und habe, wie in einem weiteren Epigramm zu lesen ist, Helios dargestellt. Die Errichtung des Ko- losses dauerte zwölf Jahre; doch war ihm keine lange Lebensdauer beschieden: Er wurde bei einem Erdbeben im Jahre 227 v. Chr. zerstört und – trotz entsprechen- der Pläne und zur Verfügung gestellter Mittel – nicht wieder aufgebaut. Reste der Bronzestatue seien – so die Überlieferung – noch bis ins 7. Jh. n. Chr. vor Ort sichtbar gewesen, ehe sie an einen jüdischen Händler aus Emesa (S. 21 Anm. 58) verkauft worden seien. Obwohl in keiner der antiken Quellen zum Koloss von Rhodos Angaben über dessen Aussehen oder zu dessen Standort gemacht werden – möglicherweise, weil es die Autoren nicht für notwendig hielten, diesen näher zu erläutern –, hat man heute wie selbstverständlich das Bild eines spreizbeinig über der Hafenein- fahrt von Rhodos stehenden ‚Giganten‘ vor Augen. Die Frage nach dem Aufstel- lungsort, aber auch die der Identifizierung möglicher Reste des Koloss von Rho- 1 Zu den Weltwundern und ihre Überlieferung: Kai Brodersen, Die Sieben Weltwunder. Legendäre Bau- und Kunstwerke der Antike 7 (München 2007). 2 Anthologia Palatina 9,58. 3 Zum Film: https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Kolo%C3%9F_von_Rhodos (24.03.2017) 4 Plin. nat. 34,41.