DIAGNOSTIK DER MALNUTRITION
Z Gerontol Geriat 32: Suppl. 1, I/45–I/54 (1999)
© Steinkopff Verlag 1999
S. Lauque
F. Nourhashemi
B. Vellas
Testwerkzeuge für die Ernährungs-
anamnese bei älteren Personen*
appropriate intervention. We review the
various nutritional evaluation tools
available, in particular the Mini Nutri-
tional Assessment (MNA) which both
evaluates nutritional status and guides
nutritional intervention.
Key words Nutritional evaluation tool
– elderly – malnutrition
Zusammenfassung Mangelernährung
kommt bei alternden Menschen – ins-
besondere bei gebrechlichen oder hos-
pitalisierten Personen – häufig vor. Die
verfügbaren Verfahren der Ernährungs-
anamnese erlauben eine frühzeitige
Erkennung von Ernährungsfehlern und
sollten einen festen Bestandteil der
gerontologischen Standarduntersu-
chung bilden. Sie liefern die Basis für
die Planung von Präventionsmaßnah-
men und ermöglichen es, beginnende
Mangelkrankheiten durch geeignete
Ernährungsinterventionen rechtzeitig
zu behandeln. Dieser Artikel bietet
einen Überblick über die verschiedenen
Testwerkzeuge für die Ernährungs-
anamnese. Unter diesen ermöglicht das
Mini Nutritional Assessment (MNA)
nicht nur eine Analyse des Ernährungs-
zustandes, sondern liefert auch
Anhaltspunkte für ernährungsspezifi-
sche Interventionen.
Schlüsselwörter Testwerkzeuge
für die Ernährungsanamnese – ältere
Personen – Mangelernährung – Alter
Prof. B. Vellas ()
Service de Médecine Interne et de
Gérontologie Clinique
170 avenue de Casselardit
F-31300 Toulouse
* Aus dem Französischen übersetzt von
Ernst Grell, lic. phil., Maiengasse 25,
CH-4056 Basel, Schweiz
Nutritional evaluation tools in the
elderly
Abstract Malnutrition is frequent in
the elderly, especially if frail or hospi-
talized. Nutritional evaluation tools
allow the early detection of malnutri-
tion and should be incorporated into the
standard gerontological work-up as a
basis for preventive action or rapid
Einleitung
Die gerontologische Standarduntersuchung ermöglicht es, den
Gesundheitszustand älterer Personen umfassend zu beurteilen.
Sie basiert auf einfachen, rasch anwendbaren, kostengünstigen
und international geeichten Testskalen zur Erhebung der
kognitiven Funktionen, der Selbständigkeit, der Gehfähigkeit,
des Gleichgewichtssinnes sowie des sozio-ökonomischen
Status. Interventionen zur Behandlung der anhand dieser Stan-
darduntersuchung entdeckten Anomalien ermöglichen eine
Verringerung der Mortalität, eine Verbesserung der Lebens-
qualität und Einsparungen an Gesundheitskosten (30, 33). Die
Beurteilung des Ernährungszustandes sollte einen integrie-
renden Bestandteil der gerontologischen Standarduntersuchung
bilden. Sie ermöglicht es, eine bestehende Malnutrition zu
erkennen, die einen eng mit der Mortalität und Morbidität kor-
relierten prognostischen Faktor darstellt. Andererseits zeigt
die Prävalenz der Mangelernährung, die bei zu Hause woh-
nenden Senioren noch relativ gering ist (5–10 %), bei den
hospitalisierten oder in Pflegeheimen untergebrachten älteren
Personen einen beträchtlichen Anstieg (30–60 %) (1). Eine
klassische Abklärung der Malnutrition mit anthropometri-
schen Messungen, Ernährungsanamnese und Laborbestim-
mungen ist zu zeitaufwendig und zu kostspielig, um als
Primärmaßnahme in Betracht zu kommen. Kürzlich wurden
jedoch verschiedene einfach und rasch durchführbare Test-
verfahren zur Ermittlung des Ernährungsstatus bei älteren
Personen entwickelt und teilweise validiert (Tabelle 1). Diese
Werkzeuge erlauben (27) die Früherkennung (Screening)
und/oder die Diagnose von Ernährungsfehlern. Das
Ernährungs-Screening besteht im Aufspüren von mit
Ernährungsproblemen assoziierten Merkmalen in der Gesamt-