Adalberts Traum und Fellussos Besen. Zur (Un-)Sichtbarkeit von Sklaven im Bild (12.–16. Jahrhundert) * Dirk Suckow Im mediterranen Raum und nicht zuletzt in Italien stellen Sklavinnen und Sklaven während des Hoch- und Spätmittelalters eine Gruppe von Frem- den in der Stadt dar, 1 die in vielen Fällen unterschiedlichste Differenz- zuschreibungen in nahezu idealtypischer Weise auf sich vereinigt. 2 Sklaven sind sozial, kulturell wie auch rechtlich Fremde. Zudem sind sie nicht selten ethnisch sowie, meist in Fällen außereuropäischer Herkunft, auch religiös fremd. Die Kopplung von Exklusionen über mehrere Ebenen des Sozialen bzw. der »social death« 3 führt im Bereich der visuellen Reprä- sentation nicht zu einer totalen Auslöschung der Sklaven, zieht also nicht gleichsam einen ›visual death‹ nach sich. Den Rahmen für das komplexe Wechselspiel ihrer Sichtbarkeit oder Unsichtbarkeit definieren gleichwohl im hier untersuchten Zeitraum ausschließlich die Diskurse der Gesell- schaften, denen der Handel und Besitz von Sklaven als legitim gelten. Den Sklaven fällt dabei zwangsläufig vor allem die Rolle des beherrschten Objekts zu. 4 Ihre ›Bilder‹ schließen zudem im Unterschied zu denen an- derer Fremder keine Selbstrepräsentationen ein. * Für Anregungen und Hinweise sowie die Möglichkeit, Überlegungen zum Thema im Rahmen der Minerva School 2007 »Slavery and the Slave Trade in the Mediterranean Region during the Medieval Period (1000–1500)« in Jeru- salem zu diskutieren, gilt Christoph Cluse (Trier) mein herzlicher Dank. Eben- so danke ich Melanie Ulz und Gunnar Lüsch (Berlin) sowie Peter Bell (Trier). 1 Zu Zentren, Dimensionen und Konjunkturen des Phänomens im Mittelalter v. V erlinden 1977; Heers 1981; Ferrer i Mallol 2000 und Haverkamp 2005. Cf. auch die Bibliographie des in Trier und Jerusalem verankerten Projekts »Medieval Mediterranean Slavery«, http://med-slavery.uni-trier.de/. 2 Zu Fremdheit als sozialem Konstrukt und multidimensionalem Zuschreibungs- prozess von Differenz in stratifizierten Gesellschaften der Vormoderne cf. Stichweh 2003. 3 Patterson 1982: »Because the slave had no socially recognized existence out- side of his master, he became a social nonperson. [...] All slaves experienced, at the very least, a secular excommunication.« (p. 5). 4 Zum Verhältnis von Sichtbarkeit und Objekt- bzw. Subjektstatus für die Frühe Neuzeit / Neuzeit Kaplan 1982; Fracchia 2004; Fracchia 2007 und Lugo- Orti ´z /Rosenthal 2008.