11 10plus1: Living Linguistics | Issue 3 | 2017 | The Linguistics of Politics 1 0 p l u s 1 L I v I n g L I n g u I s t I c s Korpushermeneutische Analyse politischer Reden mittels CorpusExplorer script 3-min-talk Jan Oliver Rüdiger Sprecher: Carsten Bänsch ie Idee hinter dem Projekt – einen schnellen und einfachen Einstieg in die Analyse großer Korpusdaten mittels CorpusExplorer geben. Die- se frei verfügbare Software bietet aktuell über 45 Analysen/Visualisierungen für vielfältige korpuslinguistische Zwecke und ist durch ihre Nutzerfreundlichkeit auch für den Einsatz in der universitären Lehre geeignet. Als Beispiel dient das EuroParl- Korpus, man kann aber auch eigenes Textmaterial (z. B. Textdateien, eBooks, Xml, Twitter, Blogs, etc.) mit dem CorpusExplorer annotieren, analysieren und visualisieren. Die Videos zeigen Schritt-für-Schritt die einzelnen Funktionen. Überspannt werden die Videos von einer kleinen zweistufigen Aufgabe: Zuerst sollten ein paar Fragen/Thesen/Annahmen überlegt werden, die sich mit den Plenar- protokollen des EuroParl auswerten lassen – einige Videos geben auch explizite Anre- gungen oder man nutzt die Inspiration der anderen Beiträge im Issue #3. Die einfach- sten Fragen/Thesen lassen sich bereits mit den hier vorgestellten Videos beantworten. Sobald es komplexer wird, betritt man den zweiten – reflexiven Teil der über- spannenden Aufgabe: Es ist zu überlegen, wie durch (mehrfache) Kombination der einzelnen Video-/ Wissensbausteine das Ziel erreicht werden kann (ein Beispiel, s.u.). Im Zweifelsfall stehen außerdem ein Handbuch und ein E-Mail Support zur Verfügung. Ein Beispiel (Idee): Über die vorgestellten Analysen lassen sich in mehreren Schritten politische Positionen (durch die Analyse des Sprachgebrauchs) isolieren. Man könnte hier wie folgt vor- gehen: Zuerst identifiziert man typische Re- dewendungen/ Phrasen/ N-Gramme/ Syn- tagmen/ Sprachgebrauchsmuster - dann betrachtet man Abweichungen sowie den Verwendungskontext. Ein Beispiel (Durchführung): Es gibt sehr viele Parlamentarier, die in ihren Redebeiträgen das Syntagma „Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts“ verwenden (siehe Video 11). Greift man "Freiheit" aus dem Syntagma heraus (z. B. mit der Frequenzanalyse – Video 07), würde man vermuten, dass alle Parlamentarier parteiübergreifend das Gleiche meinen. Die Detailanalyse des Zeichens zeigt aber, dass "Freiheit" jeweils unterschiedlich befüllt wird - entweder mit "wirtschaftlicher Frei- heit" (EVP) oder "sozialer Gerechtigkeit/ Chancengleichheit" (S&D). D