203 Mit der Ausdehnung des Römischen Reichs über die Alpen gelangten die Römer in Gebie- te, in denen im Winter permanent für Wärme in den Behausungen gesorgt werden musste. Da- für standen ihnen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung: offenes Holzfeuer, Holzkohle in Metallbecken (sog. Kohlebecken) oder Holzkoh- le (evtl. Holz) in Nischenöfen und natürlich auch Hypokaustheizungen (Abb. 1 und 2). Sowohl die Wärmeleistung als auch die Be- haglichkeit wären für unsere heutigen Begriffe nur bei der Hypokaustheizung vergleichsweise befriedigend. Die Wärme wurde dabei über den Boden verteilt im ganzen Raum abgegeben 1 , und der Rauch der Heizstelle blieb im Hypokaust und in dessen Abzügen. Alle anderen oben genannten Möglichkeiten gaben nur in ihrer unmittelbaren Umgebung Wärme ab, im Rest des Raumes blieb es eher kalt. Als Nebeneffekt kamen, außer bei der Fußbodenheizung, trotz der Zufuhr der für die Verbrennung notwendigen (kalten) Frisch- luft die Abgase (Rauch, CO 2 , CO) dazu, die die Luftqualität im Raum verschlechterten, bevor sie sich einen Weg ins Freie suchten – meist durch undichte Dächer oder aber durch dafür vorgese- hene Öffnungen 2 . Rauchabzüge aus tubuli waren zwar bei Hypokaustheizungen Standars, für die anderen Heizungsarten sind Schornsteine – auch dort, wo sie technisch möglich wären – aber kaum nachweisbar 3 . Von einer Raumheizung in unse- rem Sinn kann man bei diesen oben genannten Wärmemöglichkeiten nicht sprechen, sie machten lediglich den Aufenthalt in den Räumen erträg- lich. In diesem Beitrag wird versucht, am Beispiel der Zivilstadt von Carnuntum zumindest annä- hernd den Verbrauch von Brennmaterial für die Beheizung bzw. die Erwärmung der Gebäude in einem Winter zu ermitteln. Basis ist eine Schät- zung der Bebauung von Carnuntum in der Sever- erzeit durch A. Konecny 4 , der von ca. 600 Häu- sern unterschiedlicher Bauart mit verschiedenen Heizungsarten ausgeht. Hiervon dürfte nur ca. ein Drittel über Hypokaustheizungen verfügt ha- ben, die restlichen zwei Drittel (ca. 400) verfügten lediglich über eine der genannten drei anderen Möglichkeiten. Für die folgenden Berechnungen werden nur die Häuser mit Hypokaustheizung berücksich- tigt: Herangezogen werden beispielhaft drei in Carnuntum freigelegte und wieder aufgebaute Häuser sowie eines aus Homburg-Schwarzena- cker, das großteils nur virtuell rekonstruiert wur- de, aber so, oder in ähnlicher Form auch in Carn- untum vermutet werden kann. Diese Bauten wur- den deshalb ausgewählt, weil die Berechnungen nur für rekonstruierte dreidimensionale Gebäude möglich sind. Um den Verbrauch an Brennstoff für eine Heizsaison (etwa November bis April) fachge- recht zu ermitteln, benötigt man für jedes Objekt zunächst die Heizlast (den Wärmebedarf) der beheizten Räume, den Heizwert der verwende- ten Brennstoffe und den Anlagenwirkungsgrad. Die dafür notwendigen Daten können wir für die Hypokaustheizung nur mit unterschiedlicher Genauigkeit fassen, deshalb kann das Resultat nur ein Richtwert innerhalb einer Bandbreite Römische Heizsysteme und ihr Verbrauch – Wie viel Wald frisst die Heizung einer römischen Stadt? Hannes Lehar Archäologische Berichte 27, 2017, 203-214 Zusammenfassung – Holz als Brennmaterial war in der Antike der kalorische Energieträger Nummer eins und deshalb diente es auch für Heizzwecke. Während eines Forschungsprojekts über römische Hypokaustheizungen erfolgte unter anderem die Berechnung des Wärmebedarfs verschiedener römischer Gebäudetypen (Wohnhäuser, Villen oder Thermen). Basierend auf dieser Kalkulation ist der jeweilige Heizmaterialverbrauch für eine Heizperiode ermittelt worden. Dieser Bedarf konnte je nach Möglichkeit mit Holz oder Holzkohle gedeckt werden. Interessanterweise tendierte die archäologische Forschung bis 1950/60 vor allem bei Hypokaustheizungen zur Annahme der Verwen- dung von Holzkohle zur Wärmeerzeugung, danach jedoch wurde zu diesem Zweck überwiegend die Verwendung von Holz favorisiert. Auch deshalb ist eine Beurteilung und Überprüfung beider Materialien notwendig geworden. Anhand des ermittelten Verbrauchs, der oben genannten einzelnen Haustypen, wurde der Gesamtverbrauch für die Hypokaustheizun- gen der Zivilstadt von Carnuntum (Österreich) hochgerechnet. Daraus ergab sich nicht nur eine Waldfläche, die (unterschiedlich) bei einer Verbrennung von Holz oder Holzkohle geschlägert werden musste, sondern auch die Zahl der benötigten Transportmittel sowie der in der Stadt beanspruchten Lagerfläche. Abschließend ist der Bedarf für andere Heizungsarten und für das Kochen geschätzt worden. Obwohl die Energie, die für technische Prozesse benötigt wurde, hier nicht berücksichtigt werden konnte, wird nachvollziehbar, warum z. B. der Waldbestand Baden-Württembergs nach nur rund 200 Jahren römischer „Bewirtschaftung“ von 100 % wohl auf etwa 40 % zurückging. Schlüsselwörter – Römerzeit, Österreich, Carnuntum, Römische Heizungen, Holz versus Holzkohle, Wärmeerzeugung, Energiebedarf