3 Pro-Fil 2017 (Special Issue): 317 https://doi.org/10.5817/pf17-3-1646 DIE BESTE ALLER MÖGLICHEN WELTEN? SJOERD VAN TUINEN Universität Rotterdam, vantuinen@fwb.eur.nl ORIGINAL PAPER RECEIVED: 8. 6. 2017 ACCEPTED: 22. 8. 2017 Abstract: This paper addresses Peter Sloterdijk’s optimistic ‘attitude’. I show that it is a philosophical posture based on pragmatic speculation and spiritual exercise. By situating it in a tradition that passes from Leibniz’s meliorism to Whitehead’s ecology of propositions, I argue that optimism is an essential component of a public use of reason of which the finality is no longer the good sense of critique but of the care for common sense. At stake is the cosmological and cosmopolitical care for the possibility of rationalization processes in a ‘monstruous world’ of ever denser feedback mechanisms. Keywords: meliorism, rationalism, compositionism, care, cybernetics, Leibniz, Sloterdijk, common sense Die nach-metaphysische Philosophie überlebt als Methodik der Konversion (Sloterdijk 1991, 40) Der zweite Teil der von Peter Sloterdijk im Jahre 2012 veröffentlichten Notizbücher, Zeilen und Tage. Notizen 2008-2011, trägt den Titel ‘Aus der besten Welt’. Er bringt ein philosophisches Temperament auf den Punkt, den man schulgemäß Optimismus nennt, den man aber notwendigerweise hauptsächlich außerhalb der akademischen Philosophie vorfindet. Wo der Pessimismus direkt aus der theoretischen Absage an einer existenziellen Stellungnahme hervorgeht und dem ‚epistemischen Scheintod‘ der Schulphilosophie eine prinzipielle Legitimierung verschafft, verpflichtet der Optimismus den Philosophen dazu, Verantwortung zu übernehmen für die Abstimmung zwischen den theoretischen Prinzipien und deren praktischen Konsequenzen. Mit William James dürfte man diese Verantwortung wohl ‚kosmisch‘ nennen und dem pessimismo cosmico Leopardis gegenüberstellen. Denn man kann die Welt nicht als die beste affirmieren ohne selber von dem Denken und Fühlen, die aus dieser Affirmation folgen, konvertiert zu werden. 1 Sloterdijk nennt diese metanoia ,Wiederverweltlichung,‘ oder die Rückkehr in die ‚totale Sorge‘. Wir sind heute optimistisch im Privaten, aber pessimistisch im Öffentlichen. Dieser nach außen gerichtete Pessimismus aber ist meistens nur eine spießige Verallgemeinerung privater Sorgen um sich, wobei doch bekannt ist, dass im Streit zwischen mir und die Welt letztendlich die Welt immer gewinnt. Analog zu Kants Behauptung, nur im Öffentlichen gäbe es einen freien Gebrauch der Vernunft, im Privaten aber bloß eine untergeordnete, möchte ich beargumentieren, dass die 1 Für James ist die Frage des Temperaments die ‘implicit basis and potentest of all our premises’ (James 2000, 9), denn sie ist ‘our individual way of just seeing and feeling the total push and pressure of the cosmos.’ (James 2000, 7)