Das Augsburger Interim in Livland. Evangelische und Altgläubige in den baltischen Landen in der Mitte des 16. Jahrhunderts Von Juhan Kreem Abstract The Augsburg Interim in Livonia: Protestants and Catholics in the Baltic Coun- tries around the Middle of the 16th Century . – As a part of the Holy Roman Em- pire, Livonia had to implement an imperial religious decree concerning Protes- tants in 1548, the Augsburg Interim. This article documents the polemics over the issue among Livonians. Preserved statements from the chancery of the Teutonic Knights in Livonia and the city of Reval (Tallinn) show the reception of contem- porary anti-Interim literature, as well as a firm Protestant stand by the authors of the Livonian texts. It appears that Livonia was a much more Protestant country by that time than is usually assumed. Einführung Die so genannte Interimskrise war eigentlich nur eine kurze Episode in der Reformationsgeschichte. 1 Das auf dem Augsburger Reichstag 1548 verabschiedete kaiserliche Religionsgesetz 2 fand viel Widerspruch 3 und wurde mit dem Augsburger Religionsfrieden zu den Akten gelegt. Es war aber ein Wendepunkt in vielerlei Hinsicht. Es war erstens der letzte große Versuch des Kaisers, die beiden Widersacher in Glaubensfragen mithilfe eines Kompromisses zu vereinen. Zweitens hat das Interim eine längere Periode von Kontroversen im Luthertum selbst eingeleitet, die bis zur Konkordienformel von 1577 andauerte. Trotz der kurzen Gel- Hist. Jahrbuch 134 (2014) 1 Horst Rabe, Reichsbund und Interim. Die Verfassungs- und Religionspolitik KarlsV. und der Reichstag von Augsburg 1547/1548, Köln/Wien 1971; Irene Dingel/Günther War- tenberg (Hgg.), Politik und Bekenntnis. Die Reaktionen auf das Interim 1548, Leipzig 2006; Luise Schorn-Schütte (Hg.), Das Interim 1548/50. Herrschaftskrise und Glaubens- konflikt, Heidelberg 2005. 2 Joachim Mehlhausen (Hg.), Das Augsburger Interim von 1548. Nach den Reichstags- akten deutsch und lateinisch, Neukirchen 1970. 3 Irene Dingel (Hg.), Reaktionen auf das Augsburger Interim, Göttingen 2010.