1 Authors Version of: „Außenpolitik Togos“, in: Bellers, Jürgen / Benner, Torsten (eds.) (2001): Handbuch der Außenpolitiken. München: R. Oldenbourg, 2001:579-84 Außenpolitik Togos: 1960 - 1999 Dirk Kohnert 1. Historische Grunddaten zur Außenpolitik Togos und der internationalen politischen Rahmenbedingungen (1884 - 1999) 04.07.1884 „Schutzvertrag“ der deutschen Regierung, vertreten durch Dr. Gustav Nachtigal, mit Mlapa II, dem Dorfchef von Togo, einem afrikanischen Küstendorf am Golf von Benin, als Le- gitimation der darauf aufbauenden Eroberung des Hinterlandes (1893-1900) und der Abwehr konkurrierender Kolonialansprüche Frankreichs und Englands 1900-1914 Entwicklung der deutschen „Musterkolonie“ Togo 08.08.1914 Besetzung der deutschen Kolonie durch französische und britische Truppen 1922 Aufteilung Togos in britisches (westliches) und französisches (östliches) Mandatsgebiet (ab 1945 UN-Treuhandgebiet). Als Treuhandgebiet war das französische Togo nicht Bestandteil des kolonialen französisch Westafrika (AOF). 1941 Gründung des Comité d´Unité Togolaise (CUT), einer der frühesten nationalen politischen Bewegungen Afrikas. Die CUT entwickelte sich nach dem Weltkrieg II zu einer nationalisti- schen pan-Ewe-Bewegung; als vehemente Kritikerin der französischen Kolonialverwaltung stieg sie in den 1950er Jahren zur bedeutendsten politischen Partei Togos auf, die 1962 von Staatspräsident Olympio zur Einheitspartei erklärt wurde. 1945 Gründung der „Französischen Union“, in der Togo als „assoziiertes Gebiet“ - in Abgrenzung zum französischen Kolonialreich - mit einem Sitz in der französischen Nationalversammlung vertreten war. 08.12.1947 Petition des Führers der CUT, Sylvanus Olympio, vor dem Treuhandrat der UN zwecks Wie- dervereinigung des britischen und französischen Mandatsgebietes Okt. 1956 Proklamation der „Autonomen Republik Togo“ auf der Grundlage eines von der französischen Verwaltung gelenkten Referendums über die Zugehörigkeit des französischen UN- Treuhandgebietes; dies erhält zwar einen höheren Grad innenpolitischer Autonomie als die französischen Kolonien, wird aber von der CUT und den UN wegen einer parteiischen pro- französischen Politik des „gewählten“ unrepräsentativen Grunitzky-Regimes kritisiert. 1956 Volksabstimmung über die Zugehörigkeit des britischen Togo-Treuhandgebietes ergibt eine Zweidrittelmehrheit für den Anschluß an Ghana. Paris lehnt eine analoge freie Abstimmung in seinem Mandatsgebiet ab. 27.04.1958 Von UN erzwungene und beaufsichtigte erste freie Wahl im französischen Treuhandgebiet; überwältigender Wahlsieg der CUT und Bildung einer Regierung unter deren Führer, Sylvanus Olympio. 27.04.1960 Unabhängigkeit Togos unter der paternalistischen, jede Opposition unterdrückenden, auf Di- stanz zu Frankreich bedachten Regierung Olympios (1958-63). Mai 1961 Staatsbesuch des ersten Regierungschefs des unabhängigen Togo in Bonn legte die Basis für eine enge deutsch-togoische Entwicklungszusammenarbeit als Gegengewicht zur Einflußnahme der Messieurs Afrique. 13.01.1963 Ermordung Olympios durch eine Gruppe togoischer Veteranen der franzöischen Kolonialar- mee, angeführt von Unteroffizier Etienne Gnassingbe (Eyadéma) und Emmanuel Bodjollé. Die Veteranen hatten - unterstützt durch Frankreich - vergeblich ihre Integration in die Armee To- gos beantragt Die Putschisten setzten auf Druck Frankreichs abermals die unpopuläre Regie- rung Nicolas Grunitzky (1963-67) ein. - Der erste gewaltsame Regierungssturz in der Geschich- te des unabhängigen subsaharischen Afrika wird von den Mitgliedern der im gleichen Jahr in Addis Abeba gegründeten OAU einhellig verurteilt; sie verweigert der durch Ermordung des Vorgängers an die Macht gekommenen Regierung Grunitsky die Einladung zur Gründungsver- sammlung. 09.07.1963 Entwicklungshilfevertrag Deutschlands für ein bereits unter Olympio ausgehandeltes Projekt zum Bau eines neuen Tiefseehafens von Lomé (fertiggestellt 24.04.68); das Projekt war zu die- ser Zeit mit DM 53 Mio. die größte deutsche Finanzzusage im subsaharischen Afrika und do-