PIOTR SULIKOWSKI (Szczecin) Das Wesen der stochastischen Texte im medialen Zeitalter Der vorliegende Beitrag enthält den Vorschlag einer neuen linguistischen Textauffassung: der Zufallstexte, die dank der menschlichen Kognition, dem semiotischen Wissen (KELLER 1995) und der multisemiotischen Kontextualisierung (ANTOS 2001) als illokutive Konstrukte wahrgenommen und aktualisiert werden. Ihr Wesen erstreckt sich von den nicht digitalen Medien bis hin zu komplexen elektronischen Systemen, an der Schnittstelle zwischen dem Nutzer und der Maschine. Zunächst versuchen wir, den Begriff Text in der neuen, medialen Wirklichkeit zu charakterisieren. Der Begriff unterlag in den letzten Jahrzehnten einem grundlegenden Wandel, der u.a. mit der Entwicklung neuer Medien verbunden war (vgl. SULIKOWSKI 2016). Der Text in der Vorinternetära war ein eher konstantes Konstrukt, welches in der effektiven Kommunikation die von BEAUGRANDE/DRESSLER (1981) vorgeschlagenen Textualitätskriterien, kommunikative und pragmatische Prinzipien erfüllen musste. Die dominierende Vermittlungsmethode für die Texte waren damals unterschiedliche statische Medien, was zur ebenfalls statischen und linearen Lesart beitrug. Es war dadurch möglich, das Verhalten der Leser bei der Textwahrnehmung vorauszusehen und die Textform an die vermuteten Verhalten (Perlokution, Textwirkung) in einer Konsituation entsprechend anzupassen. Zur Verfügung stand eine überschaubare Palette der Textsorten und -typen samt ihrer effektiven Realisierung, wovon Medienwissenschaften zu schöpfen wussten. Die Entstehung der Webseiten, ergo des tatsächlichen Internets, in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts verursachte einen weit gehenden Wandel des Textwesens, seiner Eigenschaften und der möglichen Lesarten, welcher weiterhin in Richtung eines interaktiven Konstruktes im multimodalen, plurisubjektiven Polysystem variiert. Stettiner Beiträge zur Sprachwissenschaft, Band 9, Szczecin 2017 (im Druck)