Preprint Der Beitrag erscheint in: Lernende Schule, 79/2017 http://damberger.org/ - 1 - Thomas Damberger Von der Abschaffung des Lehrers Die Zukunft des selbstgesteuerten Lernens mit digitalen Medien Die Weiterentwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz im Zusammenhang mit Big Data ermöglichen eine neue Dimension selbstgesteuerten Lernens. Menschliche Lehrerinnen und Lehrer werden dabei zunehmend ersetzbar. Für Schulen ist diese Entwicklung sowohl eine Gefahr als auch eine Chance. Der radikale Wandel des Lernens Wir befinden uns in einer digitalen Bildungsrevolution (Dräger & Müller-Eiselt 2015). Charakteristisch für diese Revolution ist ein radikaler Wandel insbesondere des schulischen Lernens. Dabei spielen sogenannte adaptive Lernsysteme eine maßgebliche Rolle. Gemeint sind damit Computerprogramme, die sich dem individuellen Leistungsstand eines Schülers anpassen, seine besonderen Fähigkeiten und auch Schwächen berücksichtigen und auf diese spezifischen Besonderheiten reagieren. Adaptive Lernsysteme werden schon heute vereinzelt in anderen Ländern und insbesondere in amerikanischen Schulen und Hochschulen eingesetzt. Es handelt sich hierbei um weit mehr als um eine Verbesserung bereits existierender Lernprogramme. Vielmehr deuten diese Systeme auf die Möglichkeit hin, Lehrerinnen und Lehrer nach und nach durch digitale Medien zu ersetzen, um damit einer neuen Dimension selbstgesteuerten Lernens den Weg zu bahnen. Um diese Möglichkeit, die aus pädagogischer Sicht sowohl eine Gefahr als auch eine Chance darstellt, verstehen und einordnen zu können, ist es hilfreich, zwei eng miteinander verwobene Entwicklungen zu bedenken: Künstliche Intelligenz (kurz: KI) und Big Data. Künstliche Intelligenz, Deep Learning und Big Data Die KI erlebt gegenwärtig eine bemerkenswerte Entwicklung. Die Unternehmensberatung McKinsey bezeichnete die Künstliche Intelligenz in einer 2013 veröffentlichten Studie als die zweitwichtigste disruptive Technologie (vgl. McKinsey 2013), und das World Economic Form geht davon aus, dass voraussichtlich Mitte der 2020er Jahre die erste KI im Vorstand eines Konzerns tätig sein wird (vgl. Schwab 2016, S. 45). Im Alltag begegnet uns KI derzeit in Form von virtuellen (Sprach-)Assistenten und Fotoprogrammen mit automatischer Gesichtserkennung. Beides ist Ausdruck einer sogenannten schwachen Künstlichen Intelligenz. Das Adjektiv „schwach“ meint in diesem Zusammenhang, dass es sich bei der KI nicht um eine universelle Intelligenz handelt, wie das