Silvia Bonacchi (Warschau, Polen) Partnerorientierung im unhölichen Miteinander: Adressatenzuschnitt oder Akkommodationsprozesse? 1. Problemstellung Im vorliegenden Beitrag werden die Ergebnisse einer Pilotstudie 1 über einige Mechanismen gegenseitiger Anpassung der Gesprächspartner in einer unhöli‑ chen bzw. aggressiven face-to-face‑Interaktion präsentiert. In der (un)hölichen Kommunikation sind diese Anpassungsprozesse besonders wichtig, denn eine ausgeprägte Partnerorientierung ist eine grundlegende Voraussetzung für die Strategien der Gesichtswahrung bzw. Gesichtsgefährdung des Gesprächspartners (Bonacchi 2013: 126). Es wird dabei versucht, auf die folgenden Fragen einzugehen: 1. Welche theoretischen Rahmen lassen sich für die linguistische Untersuchung dieses Phänomens anwenden? Es soll darauf eingegangen werden, inwiefern diese Prozesse sich im Rahmen des Adressatenzuschnitts erklären lassen – als Formen der kooperativen Anpassung der Gesprächspartner – und ab wann sie eher als Akkommodationsprozesse zu fassen sind, die meistens automatisch bzw. nicht bewusst ablaufen und eher das nonverbale (Mimik und Gestik) und paraverbale Display (Gebrauch der Stimme) betrefen. 2. Erfolgen diese Prozesse nur in Richtung einer Konvergenz oder können sie sich auch durch eine Divergenz in der Wahl der kommunikativen Strategien ausdrücken? 3. Gibt es Anpassungsprozesse, die weniger auf das Kooperationsbestreben und eher auf die angestrebte Verteilung der interaktionalen Macht bzw. auf die Verhältnisse der Dominanz/Submissivität zurückzuführen sind? 1 Diese Studie wurde im Rahmen der Forschungsprojekte „Kulturologische und sup‑ rasegmentale Analyse […]“ (unterstützt durch das Polnische Wissenschatszentrum NCN, UMO:2012/04/M/HS2/00551) und „Sprache an der Grenze, Grenzen der Spra‑ che“ (unterstützt durch das Nationale Programm für die Entwicklung der Humanwis‑ senschaten, UMO: Nr 0106/NPRH3/H12/82/2014) realisiert.