DIE AMUNTER DER ALTBABYLONISCWEN ZEIT IM SPIEGEL DES ONOMASTIKONS EINE ETHNO-LINGUISTISCHE EVALUIERUNG Michael P. Streck, München* Die astronomische Serie MUL.APIN reiht zwischen der "Dynastie $ulgisu und der " Kassitendynastie " die "Dynastie der Amurriter " ein. l Darnit hat der Schreiber noch rund 800 Jahre nach dem Ende der 1. Dynastie von Ba- bylon eine Rerniniszenz an das charakteristische Merkmal wenigstens der po- litischen Geschichte der altbab. Periode bewahrt: die Vielzahl amurr. Klein- staaten in Babylonien, am mittleren Euphrat, in der Gazira und in Nordwest- syrien nach dem Ende der 3. Dynastie von Ur. Ihre Entstehung lasst sich am besten als Ergebnis einer "dimorphen Schwankungv2 begreifen, im Verlauf derer sich in den dimorphen Staaten dieser Region das Gewicht zugunsten der nomadischen, nicht-urbanen Bevol- kerungskomponente verschiebt. Leider lasst sich dieses griffige historische Mode11 nicht in allen Details an den Quellen verifizieren. Klar scheint indes zu sein, daB die MAR.TU oder Amurriter, in den Texten aus Ebla und der Akkadedynastie noch ausschlieRlich mit der Gegend des mittleren Euphrats assoziiert,) wahrend der Ur III-Zeit erstmals in groBerer Zahl in Babylonien erscheinen.' Sü-su3en von Ur sieht sich schlieBlich sogar genotigt, dern Druck der Nomaden mit seiner berühmten MAR-TU-Mauer entgegenzutre- * Institut fur Assyriologie und Hethitologie der Universitat München, Geschwister-Scholl- Platz, D-80539 München. l Afü Beih. 24, 96 ii 18-20, zitiert bei Streck 2000 5 1.23. S. zum Terminus und Konzept Rowton 1976, 24-30; Streck 2001 5 2.8. Zusammenfassung bei Streck 2000 $8 1.14-15. Die letzte Zusammenfassung zu den MAR.TU in der Ur III-Zeit ist Buccellati 1966, heute aufgrund zahlreicher neuer Quellen revisionsbedürftig.