305 Bernhard Hänsel und die Berliner Schule. Ein Nachruf auf einen großen europäischen Archäologen Prof. em. Dr. Dres. h.c. Bernhard Hänsel 24. Mai 1937 – 1. April 2017 Barbara Horejs Bernhard Hänsels akademisches Wirken wird aufgrund sei- ner außerordentlich umfangreichen Publikationsleistung 1 sowie der von ihm geprägten Generationen von Archäo- logen weit über ihn fortleben (Abb. 1). Sein bereits früh gewählter Forschungsschwerpunkt zu den Metallzeiten im Karpatenbecken und in Südosteuropa führte zu grundle- genden Studien, die bis heute Maßstäbe – nicht nur in der Balkanarchäologie – gesetzt haben. Das Fundament dazu bilden seine Dissertation „Beiträge zur Chronologie der mittleren Bronzezeit im Karpatenbecken“ 2 und seine Ha- bilitationsschrift „Beiträge zur regionalen und chronologi- schen Gliederung der älteren Hallstattzeit an der unteren Donau“. 3 In der von ihm 1982 initiierten und herausgege- benen Reihe „Prähistorische Archäologie in Südosteuropa“ (PAS) sind mittlerweile 30 Bände erschienen, die sich an den von ihm gelegten Standards zur archäologischen Grundla- genforschung orientieren. Diese Reihe beinhaltet nicht nur die mehrbändigen Ergebnisse seiner eigenen Ausgrabungen inklusive viele seiner eigenen Schriften, sondern auch um- fassende Studien seiner Schülerinnen und Schüler zu For- schungen auf dem Balkan. Bernhard Hänsel hatte stets eine besondere Beziehung zu Wien, nicht nur weil er hier prägende Studienjahre ver- bracht hatte, über die er gerne auch in Anekdoten erzählte, sondern weil er Wien als geograisches wie kulturelles Tor zum Balkan, sowohl in der Bronzezeit als auch in unserer Epoche begriff. Deshalb war ihm die Wiener Urgeschichts- 1 Das komplette Schriftenverzeichnis von Bernhard Hänsel ist bis zu den 2005 erschienenen Arbeiten in den beiden ihm gewidmeten Festschriften erfasst: Becker et al. 1997. – Horejs et al. 2005. 2 Hänsel 1964. – Hänsel 1968. 3 Hänsel 1972. – Hänsel 1976. forschung immer ein Anliegen. Insofern ist die vorgelegte Würdigung in der „Archaeologia Austriaca“ auch als Dank für sein Engagement als Mitglied in verschiedenen akade- mischen Gremien Österreichs und seine jahrzehntelange Gutachtertätigkeit für Wiener Institutionen zu verstehen. Schließlich verdankt auch die Autorin Bernhard Hänsel als ihrem Doktorvater nicht nur die akademische Prägung und vielfältige Unterstützung in ihren Berliner Ausbildungsjah- ren an seinem Institut, sondern auch seine stets hilfreiche Beratung in den Jahren des Aufbaus des OREA-Instituts an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Akademische Laufbahn Nach seinem Studium der Ur- und Frühgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin, gefolgt von Jena, Heidel- berg und Wien – Promotion 1964 an der Universität Heidel- berg (Abb. 2) – folgte für Bernhard Hänsel eine kurze Assis- tenzzeit in Heidelberg (1964) und das Reisestipendium des Deutschen Archäologischen Instituts (1965). Seine weitere Karriere führte ihn als Hochschulassistent nach Bochum (1966–1972) und als Dozent nach Erlangen (1973–1976), Abb. 1. Bernhard Hänsel, Professor am Institut für Prähistori- sche Archäologie an der Freien Universität Berlin in der Zeit vom 1. August 1981 bis 31. März 2006 (Foto: Institut für Prähistorische Archäologie, Freie Universität Berlin).