78 format magazine n o 7 Überwachungskameras gehören heute zum Alltag. Ihr Nutzen ist allerdings umstritten. Werden unsere Städte dadurch sicherer? Wie werden die Kameras von der Bevölkerung wahrgenommen? Eine zwei- jährige Studie der Universität Neuchâtel liefert nun detaillierte Antworten auf diese Fragen. Im November 2014 startete im Genfer Pâquis-Quar- tier das grösste polizeiliche Videoüberwachungsprojekt der Schweiz. Die insgesamt 29 Kameras wurden da- mals uneinheitlich aufgenommen. Dies vor allem auch, weil es dabei um die Überwachung eines Quartiers ging, das als Rotlicht-Milieu und Drogenumschlag- platz bekannt war. Prostituierte befürchteten Umsatz- einbussen, Anwohner sprachen von einer möglichen Verlagerung des Drogendeals auf Pausenplätze und In- nenhöfe. Wieder andere befürworteten die Kameras als willkommene Sicherheitsmassnahme, um die Krimina- lität innerhalb des Quartiers einzudämmen. Die Genfer Behörden ihrerseits sahen die Kameras als ein Pilotpro- jekt, das noch weiter ausgedehnt werden könnte. Um die genauen Auswirkungen der Kameras zu erforschen, wurde das geographische Institut der Effizienz oder Ineffizienz der Videoüberwachung? Erstmals in der Schweiz wurden die Auswirkungen von Überwachungskameras auf das Leben eines Quartiers in einer umfassenden, langfristig angelegten Studie unter- sucht. Hinsichtlich der Präventionswirkung der Kameras lässt sich aus den polizeilichen Statistiken keine Senkung der Kriminalität ableiten. Das nächtliche Sicherheitsge- fühl von Seiten der Bevölkerung hingegen hat sich bei rund einem Drittel der Befragten erhöht. Allerdings zie- hen die Befragten eine verstärkte Polizeipräsenz respek- tive eine bessere Strassenbeleuchtung gegenüber einer Ausweitung der Videoüberwachung vor. EFFIZIENZ ODER INEFFIZIENZ DER VIDEOÜBERWACHUNG? Francisco Klauser Professor, Geographisches Institut, Universität Neuchâtel Raoul Kaenzig Lehrbeauftragter, Geographisches Institut, Universität Neuchâtel Universität Neuchâtel beauftragt, die ersten zwei Jahre des Projekts mit einer vertieften Evaluationsstu- die zu begleiten. Fragebogen, Interviews, Analysen von Statistiken sowie Beobachtungen vor Ort waren Teil der auf folgende fünf Schwerpunkte ausgelegten Studie: Wirksamkeit für die Prävention von Delikten, Vorteile und Grenzen des Betriebs der Installation, Nutzen für die Polizei bei der Aufklärung von Straf- taten, Auswirkungen auf das Sicherheitsgefühl sowie Einfluss auf die Lebensqualität im Quartier. Die Studie ist nun abgeschlossen. Sie verdeutlicht die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen der Vi- deoüberwachung. Gewöhnungseffekt Hinsichtlich der Kamera-Wahrnehmung von Seiten der Bevölkerung wird deutlich, dass sich heute kaum noch jemand an der Genfer Videoüberwachung stört. Von insgesamt 3000 befragten Genfer und Genferin- nen würden gerade einmal 15 % die Kameras wieder abmontieren. 59 % der Befragten sehen in der Paquis- Überwachung kein Problem bezüglich ihrer Privat- sphäre. Im Gegenteil, etwa ein Drittel der Befragten fühlt sich nun in der Nacht sicherer im Quartier (Ab- bildung 1). Bei den Bewohnern des Quartiers ist dieser Anteil mit 36 % sogar noch etwas höher. Bei freier Wahl würden jedoch die meisten mehr Polizeipräsenz respektive eine bessere Strassenbe- leuchtung der Videoüberwachung vorziehen (Abbil- dung 2). 44 % der befragten Personen sind der Auf- fassung, dass die Installation der Kameras sich positiv auf das Image des Quartiers ausgewirkt hat. Dennoch würden nur 16 % das Quartier nun eher frequentieren. Die Genfer Kameras werden in diesem Sinne wohlwollend akzeptiert, wenn auch nicht unbedingt