Neue etymologische Vorschläge zu zwei Flussnamensippen der ‚Alteuropäischen Hydronymie‘: Elbe und Sinn, Shannon, San/Sjan Harald Bichlmeier Abstract Research on ‘Old-European’ river-names has been usually done ‒ until recently‒ in the way already Krahe had done it. Looking at this material anew with today’s knowledge of Indo-European linguistics can produce new results, but often the prevailing unanimity regarding the results has to be abandoned. Thus it cannot be proven the only possible etymology for the river-name Elbe is the one connecting it with Lat. albus ‘white’ etc. Moreover it becomes clear that the traditional etymology of the river- names NHG Sinn, Ir. Shannon, Ukrain. Sjan etc. connecting them with OI. síndhu- ‘river, sea’ is untenable. Die ‚Alteuropäische Hydronymie‘ und ihre Erforschung Als ‚Alteuropäische Hydronymie’ bezeichnet man in der Regel die älteste uns in Europa greifbare Schicht indogermanischer Gewässernamen. Die Erforschung jener Gewässernamen erfolgte bislang mit einer völlig veralteten Form der Indogermanistik, wie sie sich etwa exemplarisch in den Arbeiten J. Udolphs zeigt. Was das Phonemsystem des Urindogermanischen angeht, wurde trotz der Weiterentwicklung der Indogermanistik in den letzten Jahrzehnten in den For- schungen zur Alteuropäischen Hydronymie praktisch grundsätzlich mit laryngal- freien Rekonstrukten gearbeitet, wie es auch im Hauptreferenzwerk jener For- schungen, dem Indogermanischen Wörterbuch Pokornys, der Fall ist. Fragen von Akzent und Ablaut spielten in der bisherigen Forschung kaum eine Rolle. Nur in Ausnahmefällen wurde dargestellt, welche Ablautstufe nun vorliegt und wie diese mit evtl. im appellativischen Wortschatz auftretenden Ableitungen von der mutmaßlich selben Wurzel zusammenhängt. Angaben zum Akzentsitz im jeweils erschlossenen Rekonstrukt wurden nie gemacht. Aus Sicht der heutigen Indogermanistik ist zu konstatieren, dass die ‚Alteuropäistik‘ bislang kaum jemals vollständige Etymologien geboten hat, die sowohl die morphologische als auch die semantische Seite in angemessenem Maße berücksichtigt hätten. Letztlich verharrten jene Forschungen methodologisch auf dem Stand der Zwischen- kriegszeit. Erst seit wenigen Jahren gibt es Bemühungen, diese Forschungen auf das heute in der Indogermanistik übliche Niveau zu heben, zu nennen sind hier neben den Arbeiten des Verfassers etwa die von Thomas Lindner (Salzburg) oder Václav Blažek (Příbram/Brünn). Wie im Zuge der Vorbereitungen für diesen Vortrag klar wurde, hat Václav Blažek in Bezug auf die Etymologie des Namens