Vordruckfassung – merz 2/18 Kita digital Matthias Krebs 1 Smartphones und Tablets werden in Bezug auf Kleinkinder von erwachsenen Bezugspersonen häufig auf Konsum reduziert – etwa YouTube-Videos und simple Spiele. Kreativ-gestalterische Anwendungen, die zum Musizieren, Singen bis hin zu Klangexperimenten anregen können, spielen dagegen eine untergeordnete Rolle in diesem verordneten frühkindlichen Medienumgang. Kindern werden damit nicht nur zentrale Aspekte ihrer digitalisierten Lebensrealität vorenthalten, auch bleiben Bildungspotenziale des erweiterten Möglichkeitsraums ungenutzt. In diesem Beitrag wird das Verhältnis von frühkindlicher musikalischer Bildung und technologiegestützten Bildungsangeboten mit Apps aus musikpädagogischer Perspektive beleuchtet und diskutiert. Apps als Instrumentarium für Kinder im Vorschulalter Matthias Krebs Vordruckfassung der Veröffentlichung: Krebs, Matthias (2018): Apps als Instrumentarium für Kinder im Vor- schulalter. In: Zeitschrift für Medienpädagogik merz 2_2018, S. 41–48. Smartphones und Tablets stellen als mobile, vernetzte Computer ein zentrales Element der Digitalen Transformation dar: Über Apps wird die Komplexität digitaler Möglichkeitswelten direkt mit den Fingern berühr- und greifbar. Mobilgeräte bringen die Digitalkultur im handlichen Format in den Alltag. Deutliche Spuren hinterlässt dieser mobile Wandel zum Beispiel (1) in entsprechenden Formen mobilisierten Musikkonsums über Streaming-Portale (vgl. Ulrich 2012, S. 7), (2) in innovativen kreativ-gestalterischen Formen, besonders deutlich beobachtbar in veränderten Formen digitaler Fotografie 1 sowie (3) in der Kunst, beispielsweise in Form der Glitch-Ästhetik. Aber auch die Art und Weise wie wir Musik machen wandelt sich und wird zunehmend ‚mobil‘. 2 Es gibt unzählige Apps, die zu einem gestalterischen Umgang mit Musik anregen, die Mobilgeräte in Musikinstrumente und professionelle mobile Studios verwandeln, und mit denen sich je nach App und Anwendungsform aktiv-kreative, körperbezogene, gemeinschaftliche sowie künstlerisch- experimentelle Erfahrungen machen lassen. Durch diese Entwicklung werden herkömmliche und etablierte Musikinstrumente nicht ersetzt, es kommen vielmehr neue, digitale Gestaltungs- und Ausdrucksmöglichkeiten hinzu, was nicht zuletzt dazu führt, dass sich neue Zielgruppen einen aktiven Umgang mit Musik erschließen und sich Erfahrungsräume eröffnen können. Musikapps sind Bestandteil der kontemporären Digitalkultur, in der sich die Alltagswelt und die abstrakt-digitale Domäne näherkommen und immer mehr miteinander verschmelzen und damit erweiterte Möglichkeitsräume geschaffen werden. Kinder werden heute in diese Digitalkultur hineingeboren und sie stoßen „vom ersten Lebenstag in der sie umgebenden Welt zwangsläufig auch auf Medien“ (Theunert/Demmler 2016, S. 2). Die musikalisch-gestalterischen Potenziale von Apps sind jedoch bisher in elementarpädagogischen Musikangeboten nur wenig präsent. Dabei kann mit ihrer Hilfe auch Kleinkindern ein kreativer 1 Anhand der Fotoapp Instagram lässt sich die digitale Transformation deutlich nachvollziehen. Nutzerinnen und Nutzer verwenden das Mobilgerät nicht allein als einen digitalen Fotoapparat, sondern darüber hinaus als Dienst, der ihnen anbietet ihre Kreativität zu erkunden, Erinnerungen zu teilen, mit Fotos zu kommunizieren und durch das Teilen von Bildern sogar neue Gemeinschaften zu schaffen. 2 In den 2000er Jahren vollzog sich eine rasante Entwicklung hin zur softwarebasierten Desktop- Musikproduktion für Laien und Profis. Heute zeigt die Praxis der Musikproduktion mit Hilfe von Apps ein ähnliches Wachstum.