1 Ich sein Michael Hauskeller Ein jeder ist es, und wir alle reden ständig vom ihm: das Ich. Oder genauer gesagt reden wir nicht so sehr von dem Ich, als vielmehr von uns selbst. Wir sagen gewöhnlich nicht ‚Das Ich tut dies, das Ich tut jenes‘; wir sagen, ‚Ich tue dies, ich tue jenes‘. Es wäre sehr merkwürdig, wenn ich statt zu sagen, daß ich mich freue, heute Abend hier in Hannover zu Ihnen sprechen zu dürfen, sagen würde, das Ich freue sich, heute hier sprechen zu dürfen. Denn es ist ja nicht das Ich, das sich freut, sondern ich. Richtiger wäre es zu sagen, daß ein Ich sich freue, aber das ließe ja die Frage offen, welches Ich sich denn freue, woraufhin ich klarstellen müßte, daß ich selbst dieses Ich bin und nicht jemand anders. Wenn ich ‚ich‘ sage, dann spreche ich von mir selbst. Wenn ich hingegen vom dem Ich oder einem Ich spreche, dann spreche ich von einer bestimmten Art von Sache, von etwas, das in der Welt vorkommt und das durchaus öfters als nur einmal vorkommen kann. Und tatsächlich gibt es ja viele Iche in der Welt – ich bin eines davon, und Sie alle (so nehme ich an) sind auch welche. Ich aber bin immer nur ich und niemand und nichts sonst: mich gibt es nur einmal. Sie gibt es natürlich auch nur einmal. Mein Ich ist einzigartig, und Ihres ist es auch, aber mein Ich und Ihr Ich sind einzigartig nicht insofern sie Iche sind, sondern insofern mein Ich mein Ich ist und Ihr Ich Ihr Ich. Das Wort ‚Ich‘ hat also zwei verschiedenene Bedeutungen. Die eine ist generisch (wir alle sind Iche, so wie wir Menschen sind), die andere indexikalisch. Das heißt, daß wir, wenn wir von uns selbst sprechend ‚ich‘ sagen, in ähnlicher Weise auf den Sprecher selbst zurückverweisen, wie wenn wir sagen, daß etwas ‚hier‘ oder ‚jetzt‘ geschehe. So wie ich immer ich bin, so bin ich auch immer hier und jetzt. Ich bin niemals Sie, ich bin niemals dort, und ich bin niemals gestern oder morgen. Wann immer etwas geschieht, für die, die es