Ophthalmologe 2008 · 105:125–142 DOI 10.1007/s00347-008-1702-6 Online publiziert: 8. Februar 2008 © Springer Medizin Verlag 2008 C.H. Meyer · H.-M. Helb · N. Eter Augenklinik, Universitätsklinikum Bonn Monitoring von AMD-Patienten unter Anti-VEGF-Therapie Praktische Hinweise zu funktionellen und anatomischen Untersuchungs- parametern aus Zulassungsstudien, Fachinformationen und Fallserien Leitthema Die altersabhängige Makuladegeneration (AMD) gehört zu den häufigsten Ursachen einer Erblindung in westlichen Industrie- nationen. Durch eine gestiegene Lebens- erwartung und demographische Alterung der Gesellschaft gewinnt die AMD zuneh- mend an medizinischer und sozioöko- nomischer Bedeutung [11]. Die meisten AMD-Patienten leiden an der trockenen Frühform der AMD, dennoch bildet die feuchte AMD mit ihrer choroidalen Neo- vaskularisation (CNV) die Haupterblin- dungsursache aller AMD-Patienten. Bis vor wenigen Jahrzehnten gab es für die AMD nur begrenzte Behandlungs- möglichkeiten, sodass betroffene Pati- enten nur wenig Hoffnung auf eine Sta- bilisierung oder gar Verbesserung ihrer Sehschärfe hatten. Anfang der 1990er- Jahre zeigte die Macular Photocoagulati- on Studie (MPS) einen gewissen Benefit für Patienten mit extrafovealer CNV. Ende der 1990er-Jahre etablierte die TAP-Studie die photodynamische Therapie (PDT) mit Verteporfin® für die klassische CNV. Al- lerdings konnte die PDT bei vielen an- deren AMD-bedingten CNV oftmals ein weiteres Fortschreiten der Sehminderung nicht verhindern. Daneben wurde die vi- treoretinale Chirurgie mit 360-Grad-Ma- kulatranslokation an einigen Zentren in Deutschland bei großen exsudativen Läsi- onen mit subretinalen Blutungen angebo- ten. Allerdings war die aufwendige Ope- ration von zahlreichen Komplikationen begleitet und wurde im Wesentlichen nur bei letzten Augen eingesetzt, da es sonst zu störenden Doppelbildern kommen konnte [25, 37, 42, 48]. Das wachsende Verständnis der pa- thophysiologischen Mechanismen dieser Erkrankung führte zur Entwicklung von ganz neuen Therapieformen. Neue Per- spektiven in der Therapie der AMD wur- den jüngst mit pharmakologischen Ver- fahren entwickelt, die zur Behandlung al- ler Subtypen der exsudativen AMD zur Verfügung stehen [1, 35]. In der Patho- physiologie der feuchten AMD sind ei- ne Vielzahl von inhibierenden und in- duzierenden Wachstumsfaktoren wie der vaskuläre endotheliale Wachstumsfak- tor (VEGF) besonders wichtig. Die Be- deutung von VEGF bei der neovasku- lären AMD wurde durch die gesteiger- te Expression im retinalen Pigmentepi- thel (RPE) als auch der äußeren Körner- schicht gezeigt. Das sezernierte VEGF scheint hier durch seine angiogene und permeabilitätssteigernde Wirkung eine entscheidende Rolle bei der Pathogenese von CNV und Makulaödemen zu haben. Diese Erkenntnisse führten schließlich zu dem heute verwendeten therapeutischen Ansatz, eine kompetitive VEGF-Blockade durch intravitreal applizierte Anti-VEGF Medikamente zu erreichen [51]. Kompetitive VEGF-Blockade als Therapieansatz bei der AMD Die enge Verknüpfung zwischen erhöhtem VEGF und Proliferation von choroidalen Gefäßen war der zündende Gedanke für eine pharmakologische VEGF-Blocka- de. Es waren aber über 30 Jahre nötig, um aus der Idee ein Konzept und schließlich ein wirkungsvolles Medikament zu ent- wickeln. Bereits im Jahr 1948 postulier- te Michaelson einen sog. „Faktor X“, der retinalen Ursprungs sei und Neovasku- larisationen im Auge induzieren könne. Es dauerte aber weitere 20 Jahre, bis Sen- ger diesen Faktor, der damals noch „vas- cular permeability factor“ (VPF) genann- te wurde, charakterisierte und dabei die zentrale Funktion in der Gefäßneubil- dung sowohl von Tumoren als auch bei zahlreichen ischämischen oder entzün- dungsbedingten okulären Erkrankungen herausfand. Schließlich hatte Judah Folk- man die zündende Idee und das Verständ- nis für die pathophysiologischen Vorgän- ge von Wachstumsfaktoren und legte so die Grundsteine für die Entwicklung von neuen therapeutischen Strategien in der 125 Der Ophthalmologe 2 · 2008 |